EINLEITUNG IN DAS NIBELUNGENLIED VON MONE. 219
von Siegfried durchaus nichts nachweisen. Das erkennt derVerf. selbst, aber er sagt, aus einer Volkssage des 17. Jahr-hunderts gehe jene Wiedergeburt unleugbar hervor. OhneZweifel meint er die vom Rec. selbst in den Altd. Wäldern(I, 322) aus den Gedichten des Philander von Sittewald ange- 1864führte Stelle, worin es heisst, wann grosse Noth komme, würdendie deutschen Helden wieder aufstehen und gesehen werden,unter welchen auch Siegfried namentlich angeführt ist. Aberdiese Stelle beweist nach des Rec. Überzeugung für den Verf.gar nichts, sie berührt bloss jene verbreitete Sage von der Un-sterblichkeit der an einem verborgenen Orte schlafenden Helden(wie z. B. die Dänen von Olger Danske glauben; vgl. die dreiTeile in den deutschen Sagen I, No. 297) und ist mit jener vonden Siebenschläfern verwandt. — Ausserdem schlägt der Verf.noch einen anderen Weg ein, um zu seinem Ziele zu gelangen.Er schliesst nämlich stark (§ 69): weil in dem Johannestag undFrohnleichnamsfest Siegfried als Sonnengott erscheine, so stehenichts im Wege, auch in anderen Beziehungen ihn dafür an-zusehen, wo das Lied weiter keinen Aufschluss gebe. Also:was der Mythus einmal fordert, muss als vorhanden angenommenwerden, wenn sich auch keine Spur davon zeigt. Es werdennun Versuche gemacht, den Michelstag (21. September) undWeihnachten als alte heidnische Sonnenfeste in Beziehung aufjenen Mythus darzustellen. An sich verdient der GedankeRücksicht, denn es ist nichts natürlicher, als einen Zusammen-hang der christlichen Festtage mit altheidnischen zu vermuthen;wir brauchen aber dabei nicht zu verweilen, da wir gegen dieStützen des Schlusses schon zu viel einzuwenden haben.
Rec. fasst das Resultat seiner Beurtheilung noch einmalzusammen. Er ist mit dem Verf. gleicher Meinung, dass dasNibelungenlied nicht aus der Geschichte entsprungen, sondernin der heidnischen Zeit der Deutschen schon vorhanden ge-wesen. Rec. glaubt ferner, dass es eine lebendige epische Ent-wickelung uralter Grundanschauungen enthalte; in dieser Be-stimmung aber trennt er sich von dem Verfasser, der weitergeht und es geradezu für eine durch das eindringende Christen-thum erst umgewandelte Glaubenssage hält und eine heilige Ur-