206 KEINECKE FUCHS.
Bibliotheken, Klöstern und Archiven Ungerns, Siebenbürgensund Croatiens zu forschen, ob nicht in ihnen andere und viel-leicht wichtigere Denkmäler der deutschen Sprache aus älterenJahrhunderten noch verborgen liegen.
[anonym.]
1375 REINECKE FUCHS.
Ein Volksbuch. Aus den plattdeutschen Reimen in hochdeutsche Prose aufs
neue getreu übergetragen. Mit vielen Kupfern. Tübingen,
bey C. F. Osiander. IS 17. 209 S. in Queroetav.
Leipziger Litteratur-Zeitung für das Jahr 1818. Zweites Halbjahr,No. 172, am 8. Juli 1818. S. 1375-1376.
AJie Kupferstiche, um derentwillen die vorliegende Bear-beitung des berühmten Gedichtes unternommen worden seinmag, sind im Ganzen nicht missrathen und besser in das Wesender Thierfabel eingedrungen, als die Bilder der GottschedischenAusgabe. Es kommt nämlich nicht darauf an, den Löwen,Bären, Fuchs etc. naturgeschichtlich treu vorzustellen, sondernwie diese Geschöpfe von der Fabel mit der menschlichen Redebegabt worden sind, so soll auch der Künstler ihre Gestalt,Haltung und Gesichtszüge aus dem bloss Thierischen heraus-arbeiten und ihnen den feineren Ausdruck des Menschen zuleihen wissen. Auf solcher Verschmelzung und Idealisirungthierischer Formen beruht allein das Ergötzliche von dergleichenBildern, ja die Natur der Fabeln insgemein. Wir finden daherdie Holzschnitte der älteren Ausgaben des sechszehnten undsiebzehnten Jahrhunderts doch noch mehr im Geiste des Gedichts,einige darunter sind vortrefflich zu nennen, und nach ihnensollten neuere Künstler studiren, wenn sie die Sache nochweiter zu bringen gedächten. Auf den gegenwärtigen Zeich-nungen sind uns viele Thiere zu natürlich und zu kalt darge-stellt, namentlich scheint der Löwe, die Löwin, der Bär, Affeund, was noch mehr zu bedauern, der Hahn nirgends gelungenund der Thierfabel gemäss. Lob hingegen verdient, dass dieHauptgestalt, Reineke selbst, auf allen Bildern am besten ge-troffen worden ist, besonders haben uns seine Stellungen S. 149.117 und 49 gefallen. Das Pferd mit dem Füllen S. 117 durfte