Druckschrift 
2 (1882)
Seite
199
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KOLOCZAER CODEX ALTDEUTSCHER GEDICHTE. 199

Grundsätze, besonders der altdeutschen Grammatik beschaffencevvesen sind, und dass dazu von einem Anfänger in diesemFache, wie Herr Köffinger zu sein scheint, keine eigentlichkritische Ausgabe, sondern eine blosse Durcheinanderwerfungverschiedener Lesarten zu erwarten gewesen sein dürfte, sosteht er gern von jener Forderung ab und nimmt mit dem ge- 1370gebenen Abdruck vorlieb. Tadelnswerth in jedem Sinne scheintihm aber die Aufnahme solcher Stücke, die bereits und zwarbesser gedruckt herausgegeben waren, wohin das Gedicht vonder goldenen Schmiede S. 151 und der arme HeinrichS. 421464 gehören; diese Bogen hätten füglicher mit anderenErzählungen gefüllt werden sollen.

Die übrigen Stücke sind dem Inhalt nach nicht übel aus-gewählt, und besonders gehören: die Wiener Meerfahrt undPfaff Amis zu den besseren und lebendigeren Erzeugnissendes 13. Jahrhunderts. Von Reinhart Fuchs haben die GebrüderGrimm längst eine Ausgabe angekündigt, welche hoffentlich dieLücke der Kolotzer Handschrift (Vorrede S. X) zu ergänzenvermag oder über die auch in der pfälzer Handschrift zumTheil anders erscheinende Auslassung Auskunft gewähren wird.Das schöne Gedicht: Crescentia S. 241 ff. ist zum Theilwörtlich nach der früheren Dichtung, welche sich in der un-gedruckten Reimchronik aus der Mitte des 12. Jahrhundertsfindet, behandelt. Es ist höchst anziehend zu vergleichen, worinder ältere Reimer dem späteren nicht nach-, sondern überallbeinahe, die Sprödigkeit des Versbaues abgerechnet, vorsteht.Die schönsten Gedanken und den frischesten Ausdruck hat derfrühere Dichter bei aller seiner Herbheit.

Wir wollen aus dieser Crescentia einige Proben heben, wiees um die Correctheit der hier gelieferten Abdrücke stehe. So-genannte Kleinigkeiten, wie mochte st. mohte, untz st. unz,die st. diu (Nom. Sing. Fem. und Nom. PI. Neutr.) mögen,weil sich die Fehler zu oft wiederholen, dabei übergangenwerden. Zeile 5 lese man Wunsches statt wunschez, 30.swert st. schwert, 37. streiche man die falsche Conjecturwant, 55. lese man: Lateran, 58. romere st. romer, 59. 60. mere, here st. mer, her, 68. sie sprachen st.