198 KOLOCZAER CODEX ALTDEUTSCHER GEDICHTE.
1369 KOLOCZAER (KOLOZER) CODEX ALTDEUTSCHER
GEDICHTE.
Herausgegeben von Johann Nep. Grafen Maüäth und Johann Paul Köffinger.Pesth, 1817 bey Konrad Adolph Hartleben. 464 S. in 8.
Leipziger Litteratur-Zeitung für das Jahr 1818. Zweites Halbjahr. No. 172,am 8. Juli 1818. S. 1369—1375.
±Jer würdige ungrische Gelehrte, Martin Georg von Kova-chich, fand im Jahre 1811 auf der Capitular-Bibliothek zu Ko-locza, tief in Ungarn, eine starke Handschrift altdeutscher Ge-dichte, welche bis jetzo grösstentheils unbekannt oder doch un-gedruckt geblieben waren. Er liess in Schlegels Museum IV,402 — 440 unter dem sonderbar gewählten unrichtigen Titel:„Konrads von Würzburg Gesammtabentheuer" eine umständ-liche Inhaltsanzeige einrücken, und seitdem haben wohl mehrereFreunde der altdeutschen Poesie die Benutzung und Ver-gleichung dieser Handschrift gewünscht. Wir sehen gegen-wärtig, und vermuthlich auf Unkosten des zuerst genanntenHerausgebers, des Grafen Mailäth, nicht die ganze Handschrift,sondern einen guten Theil, etwa ein Viertel des gesammtenInhalts rasch im Druck herausgegeben. Ein Unternehmen, daszwar wegen der guten Absicht und darauf verwandten MüheLob, hingegen auch den Tadel verdient, dass es sich nicht umdie Vergleichung älterer und besserer oder doch aushelfenderAbschriften bekümmert, sondern den Text ganz roh, bloss mithinzugefügter Interpunktion aufgestellt hat. Nun aber befandsich zu Rom, wie man längst wusste, und befindet sich jetztzu Heidelberg ein sehr zugänglicher und noch vollständigererPergament-Codex derselben Sammlung (Cod. palat. 341, s.Wilkens Verzeichnis S. 417 — 428). Ferner bewahrt die kais.Bibliothek zu Wien eine kleinere, aber ältere Sammlung, inwelcher viele der in jenem grösseren befindlichen Gedichte an-getroffen werden. Dies hätte freilich der Kritik des Textesmannigfaltigen Stoff dargeboten. Wenn inzwischen Rec. über-legt, wie unsicher, schwankend und fehlerhaft die bisherigen