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2 (1882)
Seite
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WUNDERGESCHICHTEN UND LEGENDEN DER DEUTSCHEN. 197

und entzündete ihren Verdruss zur wilden Flamme des Zornsund der Grausamkeit." Wahrscheinlich hat der Verf. zur Zeitder romantischen Dichtungen der Vorzeit stai-ke Lieferungen inKitterromanen übernommen und versucht sich jetzt in Sagenund Märchen. Die drei Johanniter gründen sich wohlauf eine noch gangbare Volkssage. Drei Geister haben keineRuhe, weil unter dem Haupte des einen das Archiv der Grafenvon Mansfeld liegt, das durch ihre Erscheinung endlich an denTag kommt. Merkwürdig ist der Eingang von den beiden Seen,die, durch einen schmalen Strich Landes getrennt, feindseliggegen einander erscheinen; der eine hat süsses, der anderesalziges Wasser, sie strömen immer entgegengesetzt und be-rühren sich niemals. Wer denkt nicht an die Sage von jenenFlammen, die sich von einander abwendeten, weil, was dasFeuer verzehrte, im Leben sich gehasst hatte? Im Rosstrapp,so wie in der Fortsetzung Ilsenburg ist die bekannte Sagestark überarbeitet, mit allerlei Zuthaten versetzt und, wie jemand,der die treuen Überlieferungen in der Sammlung deutscherSagen von den Brüdern Grimm damit vergleichen will, leichterfahren kann, sehr verschlechtert.

Hätte der Verf. auf ein Paar Bogen die Sagen, wie er siegehört hatte, ohne etwas auszulassen, aber auch ohne die Zu-that von falschem Gewürz gerad und schlicht erzählt, so wärenwir ihm für den wenn auch kleinen Beitrag dankbar gewesen.Denn der Werth dieser Überlieferungen, worin sich bei denDeutschen so gut, wie bei anderen Völkern, Sitten, Charakterund Bildung vergangener Zeiten darstellen, wird kein Ver-ständiger mehr ableugnen und sie so gut zu schätzen wissen,als etwa die griechischen bei Herodot oder die römischen beiLivius oder die nordischen bei Saxo Grammaticus. Habendoch auch bei uns nicht bloss Dichter, sondern auch Geschicht-schreiber, die Sinn für das Lebendige haben, wie z. B. JohannesMüller sie der Betrachtung und Achtung werthgehalten, unddabei kann man leicht überhören, was eine Eintagsfliege darüberbrummt oder ein litterarischer Thurmwärter etwa darüber ausruft.

[anonym.]