196 WUNDERGESCHICHTEN UND LEGENDEN DER DEUTSCHEN.
schichte von dem erleben lässt, was ihr hernach in Carlsbadin der Wirklichkeit begegnet, ist gut, und beide Stücke sindbei weitem am besten, d. h. am einfachsten und natürlichstenvorgetragen, so dass sie einem anderen Verf. zuzugehörenscheinen. Der Erzählung von dem Graumännlein liegt auchvielleicht Wahres zu Grund, und die Sage von den Zwergenim Schwalberg hat an sich ihren Werth, aber sie ist wirk-lich gar zu unerträglich dramatisch dargestellt. Die Zwergewerden, Wie das in anderen Sagen vorkommt, gebeten,' ihrKüchengeschirr Menschen zu leihen, die ihnen dafür als ver-sprochenen Lohn nach dem Gebrauch darauf Leckerbissenhinstellen. Ein Schäfer nimmt diese Speise den „Bergesalten"(Volksausdruck für Zwerge?) weg und besudelt ihnen dieSchüsseln, wofür sie ihn dann strafen. Den zweiten Bandnannten wir zuerst, weil er der beste ist; im ersten steht dasbekannte Märchen Aschenputtel voran, aber es ist dem In-halte nach so kahl und ohne alle die vielen schönen Züge,z. B. nichts kommt von dem Baum vor, der auf der MutterGrab steht, von den Tauben, die geflogen kommen und Hilfeleisten, nur am Schluss werden sie kurz erwähnt, dass man esohne alles Vergnügen liest. Auch die Erzählung ist ungefährin der unleidlichen Art, die der Bibliothekar des Roniantisch-Wunderbaren*) aufgebracht hat, und wobei stark mit Rauschgoldbesetzt wird. Z. B. gleich S. 16: „die Haut der Dirne glänztewie Lilien in der Morgenröthe, ihr Busen schwoll wie Knospenam Frühlingsgesträuche, die Arme blühten, wie Ranken vollFrucht und Leben, und die zarten Füsse waren so zierlich,als hätte der Grossultan sie aus China verschrieben". UndS. 21: „als aber auch Drell und Wolle die blendende Schönheitdes lieben Mägdleins nicht mehr bergen konnten und die1207 liebe Sonne ihnen die frische Blüthe der Jugend in derholden Magd einst beim Frühstück in der Laube von Geis-blatt und Jasmin in ihrem lieblichsten Glänze zeigte: da liesssie Satan den duftenden Brautkranz in dem köst-lichsten Haarschmucke der jungen Nymphe erblicken
*) [Yulpius.]