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2 (1882)
Seite
194
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194 DER NIBELUNGEN NOTH VON LACHMANN.

neint, so hieng es von dem Verhältnis ab, das man zn jenerschon vorhandenen Dichtung für die neue behauptet, ob er einblosser Aufzeichner oder auch ein noch immer selbst schöpfe-rischer Dichter zu nennen wäre. Wenn wir bemerken, dassder Verf. von einem solchen Diaskeuasten den Versuch her-760 rühren lässt, Folker den Spielmann einzuführen, so können wirsehen, wohin er sich neigt und dass er an keinen Aufzeichnerund Bewahrer der Sage denkt. Übrigens, nimmt man hierselbstschaffende Dichter an, so sind wir überzeugt, dass es nurein Paar solcher Hände bedurfte, um ein ganz anderes, vonjenen Volkssagen völlig nach Inhalt und Form verschiedenesGedicht zu haben.

Für welchen Fall sich aber der Verf. entscheiden wird, sokann doch immer gefragt werden: wie erklären sich die nachihm von den auf einander folgenden Diaskeuasten herrührendenEigenschaften der Lieder, da sie grösstentheils wie Ver-schlechterungen aussehen; es erscheint darin ein allmählichesHerabsinken von ursprünglicher Reinheit, nur eins und dasandere wäre ein lobenswürdiger Zusatz gewesen, etwa HagensProbe an dem Capellan, wenn er ihnen vom Verf. zugeschriebenwird. Das durch unvollständige Überlieferung (mündliche oderschriftliche?), deren auch (S. 59) bei Gelegenheit gedacht wird,eins und das andere sich einschleichen konnte, mag man zu-geben, aber dann wäre der Dichter des Ganzen immer zutadeln gewesen, dass er nicht nach vollständigerer getrachtet;aber von dem Eingeschobenen, Ausmalenden, Unnöthigen darfdas doch nicht angenommen werden. Je freier die Diaskeuastenund ohne Rücksicht auf das Überlieferte gedacht werden, destomehr ist sich über das Verwirrte, Unverständliche, die blossenNachklänge zu verwundern. Wie aber, wenn sich in denDingen, die nicht aus dem Ursprünglichen sollen geschöpft sein,Spuren von einem grösseren Zusammenhang, der auch diesesumfasste, aufthäten oder eine mythische Bedeutung darin sichzeigte, die den Vorwurf einer gewöhnlichen Zuthat wegnähme?Wir sind ausführlich gewesen, weil es gewiss wichtig ist,zu erforschen, wie das Epos bei den Völkern sich gebildet,aus welchen Händen es hervorgegangen, welche es in dem Lauf