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2 (1882)
Seite
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DER NIBELUNGEN JSOTH VON LACHMANN. 193

ihm gegeben. Dagegen aber, warum sollte ein anderer, dernicht nach unseres Verf. Hypothese die Erscheinungen desNibelungenliedes sich erklärt, nicht darin eine Achtung vorder Überlieferung erkennen, dass selbst die St. Galler und dieHohen-Emser zu Wien nichts anzutasten wagten und allewiederum jene seltsamen Dinge beibehielten? Ja, ganz Beweg-liches, wie Ziffern sind, ändern sie nicht einmal, z. B. dieachtzig oder sechszig Recken Hagens und Dankwarts. Selbstnicht die immer etwas unglaubliche Zählung (die Hr. Lach-mann nicht anmerkt), wornach Chriemhilde im geringsten Fallschon 48 Jahre alt ist, sehr leicht 54 zur Zeit, wo sie demEtzel ein Kind gebiert; je nachdem wir nämlich 18 oder 24Jahre bei ihrer Verheirathung mit Siegfried voraussetzen, denndie übrigen Angaben hat das Lied: 10 Jahre lebt sie mit Sieg-fried (V. 2874 [659, 2]), 13 Jahre nach seinem Tod (V. 4582[1082, 2], die Hohen-E. Hs. hat 12 J.) als Wittwe, 7 Jahre mitEtzel, bis sie einen Sohn zur Welt bringt (V. 5564 [1327, 2]).Ihre Rache fällt noch 6 Jahre später, also in das 54ste oder60ste. Auf einen späteren Ordner kann Hr. Lachmann dieSchuld auch nicht wälzen: wozu zwecklose und unsinnige Ver-derbnis? Uberdiess sind ja jene Erscheinungen als natürliche,aus der Lage der Dinge hervorgehende eben zugleich Zeugnissevon der früheren Bildung des Ganzen in besonderen Ab-schnitten.

Es bleibt noch etwas über die Dichter, Ordner der einzelnen,unabhängigen Lieder zu sagen. Ihnen müssen die äusserenVeränderungen zugeschrieben werden. Auch hier glaubt HrLachmann, wie schon bemerkt, an einen ersten Dichter, vondem die ursprüngliche Gestalt herrühren musste. Dass dieseraus der lebendigen Sage geschöpft, nimmt er allerdings an,aber über das Verhältnis seiner Arbeit zu jener Quelle, woraufso viel ankommt, finden wir nichts gesagt, und es ist nicht klar,wie es von ihm gedacht wird. War die Sage roh, ohne Form,ohne Spur der schönen Ausfüllung, die wir jetzt bewundern,war sie prosaisch in der Art, die wir noch heute bei Volks-sagen finden? Dann müsste man von Rechtswegen von einemursprünglichen Dichter reden, wurden aber jene Fragen ver-

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