Druckschrift 
2 (1882)
Seite
187
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DER NIBELUNGEN NOTH VON LACHMANN. 187

Rec. die Arbeit erweitert und vom Verf. eine neue Schrift, inwelcher die verschiedenen Gestaltungen des Nibelungenlieds,soweit sie sich erkennen lassen, aufgestellt, in ihrer Eigenthüni-lichkeit erläutert und unter einander verglichen sind: also 1) dereinen Hohen-Emser, der St. Galler und Münchener Handschrift,die im Ganzen als eine hierbei könnten betrachtet werden, 2) der-jenigen, welche der Verf. der Klage vor sich gehabt, so vielsich davon herausbringen lässt, 3) der Wilkinasaga, deren Zu-rücksetzung gegenwärtiger Abhandlung doch weniger Vortheilals Nachtheil gebracht, 4) der Hohen-Emser zu Wien. Siekann jetzt, nachdem achtundvierzig neue Strophen daraus indem dritten Band der Altdeutschen Wälder mitgetheilt sind,welche in der neuesten Hagen'schen Ausgabe noch fehlenmussten, ziemlich vollständig beurtheilt werden. Dann wären5) die\ dänischen Lieder, so kurz sie sind, anzuführen. Kommtindessen noch die Hundehagische Handschrift zum Vorschein,die dem Vernehmen nach vom Jahre 1426 ist und neue Dingeenthält, so müsste sie auch berücksichtiget werden. Nur wärevorerst, wenigstens abgesondert, blosse Untersuchung zu geben,welche die Erscheinungen aufstellt, nicht aber eine Ansichtüber die Entstehung derselben gleich einzumischen.

Diese Ansicht muss eigentlich als der andere Theil be-trachtet werden, welcher in gegenwärtiger Schrift enthalten ist,ohne besonders auseinandergesetzt zu sein. Die natürlichsteFrage ist hier, von wem die bemerkten Eigenschaften des Liedesherrühren, ob sie im Ganzen als Folge unwillkürlicher Fort-bildung (versteht sich, insoweit überhaupt die schöpferische755Kraft, aus der Dichtung hervorgeht, unwillkürlich zu nennenist), wozu die wachsende, sich ändernde Gesinnung des Volksgewirkt hat, zu betrachten sind, oder ob sie aus Willkür undAbsicht, die bloss Einzelnen zugehört, entstanden sind; mitanderen Worten, ob das Nibelungenlied ein Volkslied oderein kunstgemässes, nach Plan verfertigtes sei? Wer das erstereannimmt, kann dabei immer glauben, dass, wenn durch dieSchrift das Gedicht einmal gefasst worden, dann Zusätze undVeränderungen Einzelner wohl möglich sind, doch werden sie,sobald sie auf das Ganze Einfluss haben oder einen Zug der