178 DER NIBELUNGEN NOTH VON LACHMANN.
scheint auch verdächtig, merkwürdig, dass sie in einer anderenRecension des Nibelungenliedes (wir behalten den allgemeinenNamen, auch weil er schon eingeführt ist, bei, wiewohl unserGedicht richtiger mit Hrn. Lachmann der Nibelungen Nothheissen sollte) noch weiter ausgeführt wird (nämlich in dem747Bruchstück, das Docen mittheilte, aber wahrscheinlich zu derHohen-Emser Hs. zu Wien gehörte. Vergl. Altd. Wälder III,244). — § 8 wird untersucht, ob sich Spuren von Überarbeitungfinden, indem das spätere Wien im Gedicht vorkommt. Sielassen sich nicht bestimmt angeben, wiewohl ohne Zweifel mussangenommen werden, dass einiges eingefügt sei. An den Stellenaber, die sich aufs Christenthum beziehen, kann der Verf. nichtsdavon entdecken, obgleich er es zugibt, dass es nirgends her-vortrete, dies aber lediglich aus der Beschaffenheit der Fabelerklärt. Anzumerken ist nur, dass in den Sagen aus christlicherZeit von Carl dem Grossen an das Christenthum immer einenbedeutenden und bewegenden Theil ausmache, da wo es nichtgeradezu der Mittelpunkt ist. — § 9 werden bestimmte Anfängeeinzelner Lieder nachgewiesen, dabei des Abgebrochenenin der Erwähnung des Eckewart gedacht (S. 26). Auffallendist es dem Verf., dass jener die Burgunden warne und ihnensage: 6555 [1575, 3] „man ist iu hie gehäz, während ersthernach Dieterich dem Günther und Gernot den Verrath ent-decke; aber Eckwart sagt es nicht allen Burgunden, sonderndem Hagen, und gibt ihm auch die Ursache an: weil er Sieg-fried erschlagen. Dann müsste auch die Weissagung der Meer-weiber in dem Gedicht unstatthaft sein, die schon vorangegangenund worin dem Hagen noch deutlicher gesagt war: er sei be-trogen, komme er zu den Hunnen, und alle müssten dort sterben.Ohnehin hatte Hagen recht gut die Absicht der Chriemhildschon bei der Einladung gemerkt, sie war ihm „grimme leit"(5847 [1398, 3]), und er sagt deutlich: wie können wir wagen,nach der Chriemhild zu reiten, da ich ihren Mann erschlagen?Er geht nur mit, weil er keine Furcht will über sich kommenlassen; vergl. Nibel. 5869 [1404, 4] ff. Daraus konnten dieBurgunden so viel ahnen, als aus Eckewarts Worten, hättensie diese auch vernommen, und Hagen selbst erfuhr nichts Neues.