168 NIBELUNGEN UND GIBELINEN VON GÖTTLING.
tiefen Norden? Wie ist der nicht selten vorkommende Ge-schlechtsname Nibelung zu verstehen, den doch auch wohlWeifen geführt haben? In späterer Zeit soll das förmliche Be-wusstsein von der Einerleiheit beider Namen untergegangen sein;Herrmann von Sachsenheim redet, wie es der Verf. auslegt,von einem Nöbling-Hort, der aus Gold-Nobeln bestehe, welcheswir gar nicht aus dieser Veränderung des Namens schliessen.
Nachdem der Verf. nun alles, was den Namen selbst be-trifft, berichtigt und seine Meinung bewiesen glaubt, begegneter selbst einem sich darbietenden Einwurf. Die nordischenLieder der Edda enthalten gleichfalls die deutsche Mythe, unddarin ist doch der Gegensatz des Weltlichen und Geistlichender Gibellinen und Weifen nicht ausgedrückt! Wir wollen nichtzufügen, dass ihnen die dritte nothwendige Stufe fehlt, vielleichterklärt es der Verf. daraus, dass sie die Lieder von Deutsch-land aus bekamen und, wie wir gleich sehen werden, nicht inihrer Reinheit erhielten. Der Verf. hilft sich nämlich auf fol-gende Weise: er zeigt, dass die nordische Mythe Ähnlichkeitmit der griechischen von Jason und Medea hat. Diese Über-einstimmung ist nicht unbegründet, wird aber nicht die einzigesein, welche Sagen entfernter Völker auf eine wunderbare Weisehaben. Aber was fängt der Verf. damit für seine Sache an?Er sagt (S. 50): gleichwie die Wäringer auf dem Hippo-dromus zu Constantinopel ihre einheimischen Sagen von denÄsen und Wolsungen vorstellten, so mögen sie auch die grie-chische von Jason in freundlichem Umtausch von ihren Kriegs-gefährten erhalten haben. Diese Kenntnis gab Veranlassung,die nordische Sage nach der griechischen umzubilden. Diedeutsche erhielt also die ursprüngliche Reinheit.
Hier wissen wir zwar, wer die reisenden Nordländer sind,aber dass sie die griechische Fabel von Jason vernommen, be-halten, heimgebracht und dass die fremde Fabel daselbst mitder einheimischen verarbeitet worden, ja diese so überwältigthat, dass nach des Verf. Meinung jetzt nur noch weniges, nurdas Allgemeine mit der deutschen gemeinschaftlich blieb, dasalles müssen wir dem Verf. seiner Hypothese zu Lieb glauben.Was trieb aber zu einer solchen Verarbeitung? Wird, was einem