NIBELUNGEN UND GIBELINEN VON GOTTL1NG. 167
gewiesen. Wo steht aber Nibelung für Gibelin? Vielleicht ineiner immer merkenswerthen Stelle, die S. 30 angeführt wird?Sie findet sich in den Annalen der Dominicaner zu Colmar(bei Urstisius II, 24) und enthält, dass Kaiser Rudolf im Jahre1289 elsassische Krieger, die sich Nebelringe genannt, vorge-fodert. Hier, behauptet der Verf., könnten nur jene Unruhe-stifter gemeint sein, welche nach Kaiser Friedrichs, des letztenGibellinen, Tod im Elsass entstanden; mehrere gaben sich fürden gestorbenen Kaiser aus, und diese Gibellinen würden hier,als im Elsass zu Haus, mit dem älteren Namen der Nibelungenbelegt. Uns dünkt, wären jene Unruhestifter gemeint, so wäredas dabei gesagt, und nimmt man an, dass unter jenem NamenNibelungen verstanden werden, so gaben sich ihn die Kriegerentweder in Beziehung auf die alten Helden der Volksdichtungoder sie gehörten zu dem Geschlecht der Nibelungen, das imElsass (Schoepflin Als. illustr. II, 660) zu Haus war. Viel-leicht aber geht der Name auf ihre Kleidung, wenigstens scheintdas nach dem Zusammenhange: milites Alsatiae, qui paremTestern tribus annis paene tulerant et se Nebelringinnominaverant. Nämlich sie trugen graue Panzer, ringe stehtbekanntlich im Altdeutschen oft für Ringpanzer (vgl. Nibel. 872.1842 [213, 4. 463, 2]), und Nebel bedeutet grau, wie in Nebel-krähe, Aschkrähe, und hat in Nacht wahrscheinlich seine Wurzel(vgl. Adelung h. v.)*). Ob diese eine so in aller Hinsicht zweifel-hafte Stelle etwas für des Verf. Meinung beweisen kann, lassenwir jeden beurtheilen. Aber wie viele natürliche Fragen drängensich auf. Warum gebrauchten die Dichter nicht den gewöhnlichenJSIamen Gibel, wie wir ihn aus der S. 63 angeführten Stelle desLohengrin kennen? Was wollte der Dichter des Nibelungenlieds,'der ja nach dem Verf. recht gut die Bedeutung des Namenswusste, mit den alten eigentlichen Nibelungsrecken, die Sieg-fried schlug? (wäre dieser also der erste Weife?) mit Nibelungen-686land, dem König Nibelung? Warum spricht er von ihnen sodunkel und unverständlich? Liegt das Kaiserthum demnach im
*) Vgl. Grotta Saungr. V. 98 grafer kiat lib. [Zusatz; im Hand-exemplar.]