NIBELUNGEN UND GrBELINEN VON GÖTTLING. 169
einzelnen Dichter wahrscheinlich sein konnte, nun auch zumlebendigen Gefühl des Volks? Wo lebt nicht, so lange diesePoesie selbst nicht untergegangen, grosse Achtung und Glaubenan die Wahrheit der Überlieferung? Kann man dem Volk aufdiese Weise Altes wegnehmen und Neues dafür hinreichen?Wo fand sich der Dichter, der mit Bewusstsein und Vorsatzso künstlich verschmelzen und übertragen konnte, dass ein gross-687artiges Gedicht im alten, strengen Stil daraus hervorgieng, inallen Zügen jene Einfachheit und im Gegensatz zu den ausge-bildeten Nibelungen von offenbar grösserer Ursprünglichkeit?Endlich wie kamen die deutschen Sagen in den noch lebendenHausmärchen, welche offenbar Zusammenhang mit der nor-dischen Dichtung haben, wieder herüber? Diese Annahme desVerf. gehört mit zu dem Unwahrscheinlichsten der ganzen Ab-handlung.
Wir gelangen zur näheren Ausführung der Ansicht; eswerden von S. 62 bis zum Schluss die Gedichte des Fabel-kreises in Gibellinische und Weifische, weltliche und geistliche-geschieden. Es gab nach dem Verf. Dichter für diese und jenePartei, welche die Helden und ihre Thaten nach ihrer Gesinnungvertheilten. Nun ist wahr und in die Augen fallend, dass sichein Gegensatz zwischen den Helden im Epos zeigt, die Nibe-lungen, Burgunden stehen dem Dieterich von Bern und seinenMannen, den Wölfingen, zu welchen auch Etzel gehört, ent-gegen. Niemand wird dieses leugnen und jemand, der die Naturanderer epischen Dichtungen betrachtet, sehr nothwendig glauben-Der ungedruckte Kosengarten ist in gewissem Sinne eine Ab-spiegelung des Nibelungenlieds und ein merkwürdiges Gedicht.Also einen Gegensatz, den genau nachzuweisen eine nützlicheArbeit wäre, geben wir dem Verf. ohne Widerrede zu, er hatnur darzuthun, und das ist das Schwere des Beweises, dassdamit Gibellinen und Weifen gemeint sind, und das werden wirin dem Folgenden auch allein beachten.
Das Nibelungenlied soll ein Gibellinisches sein. Dereinzige Beweis ist: der bairische Gelfrat und Else unterliegeden Nibelungen, Gelfrat aber sei soviel als Weif. Kec. glaubt,über diesen nichtssagenden Beweis hinausgehen zu dürfen. In