Druckschrift 
2 (1882)
Seite
165
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NIBELUNGEN UND GIBELINEN VON GÖTTLING. 165

Bevor wir ins Einzelne übergehen, bemerken wir Folgendes.Ob der Gegensatz der Gibellinen und Weifen in der Geschichteeiner war, der als Kampf des Weltlichen und Geistlichen dasMark des Volks durchdrang und deshalb poetisch sich äussernmusste, können wir unberührt lassen, da ihn der Verf. selbstals einen solchen nur voraussetzt, nicht dargestellt hat, wie auchLachmann schon tadelt; aber was wäre denn natürlicher und684dem Volkssinne angemessener gewesen, als diesen Kampf, wieihn die poetisch lebendige Geschichte gab, darzustellen? Woist dieses Epos? Wo findet sich eine Spur, eine leise Anspielungdavon? Blieb nichts übrig, als nur die alten Volksdichtungen,an deren Wahrheit und Ehrwürdigkeit man glaubte, in diesenGegensatz zu theilen und darauf hindeuten zu lassen? Was fürHindeutungen es sind, werden wir nun sehen, wenn wir dieSchrift des Verf. näher betrachten.

Natürlich musste er zuerst zeigen, dass der Name Nibe-lung, der mit Gibellin eins sein soll, deutsch ist und nicht ausdem Nordischen abzuleiten. Das erste gibt einer leicht zu, derauch das andere nicht behaupten will, weil die Sprachen soverwandt sind. Die S. 20 bemerkten Unwahrscheinlichkeitender nordischen Geschlechtstafel in gewissen Beziehungen wirdjemand, der die Natur derselben kennt, gar nicht leugnen, abersie nicht darum zum Machwerk machen wollen; der Näfil, vondem die Niflungen abstammen, bleibt uns immer in der Volks-sage begründet und kein erfundener Held. Der Verf. mussaber noch weiter gehen: nicht bloss deutsch, aus dem Nordischennicht entlehnt, muss der Name sein, der Norden muss ihn auch,weil er dort die Bedeutung nach des Verf. eigener Meinungnicht haben kann, im 12. Jahrhundert von Deutschland aus be-deutungslos erhalten haben. Überhaupt fährt der Nordenschlimm; erst hat er die Lieder selber, die in jenen eddaischenGesängen mit nordischem Leben und Land genau zusammen-hängen, von Deutschland bekommen, dann auch noch den NamenNif hing, der, man erräth nicht wozu und wem zum Besten,gleichsam in die Sage eingetragen wurde. (Auch sonstfindet sich der Name Niflung noch in den Kenningar