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2 (1882)
Seite
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NIJBELUNGEN UND GIBEL1NEN VON GÖTTLING. 163

und der Held für das wahre Ziel streitet. Den Untergangerster und zweiter Zeit bezeichnet das Nibelungenlied, diedritte ist in dem heiligen Gral vorgestellt. Keins von beidenLiedern kann sich der Verf. ohne das andere denken, sie be-dingen ihr gegenseitiges Leben.

Gegen diesen Satz von den drei Perioden an sich hat derRec., wie gesagt, weiter nichts, aber hier ist er für die Ge-schichte der Poesie falsch angewendet und gar nicht wahr.Denn Rec. kann schon die drei Stufen in dem Nibelungen-liede allein, wenn es gefordert würde, herausfinden. Brunhildmit ihrer übernatürlichen Kraft, die Nibelungsrecken, der Zwerg-könig Alberich, die Schwanenjungfrauen, ganz den nordischenWahlküren ähnlich, kennen eine Welt, in der heidnische Göttersichtbar wandeln. Siegfried ist dann der rein menschliche Held,Hagen die wilde, trotzige Naturkraft; in Dieterich und Hilde-brand stehen die Streiter für das Sittliche, das Recht. In denGedichten von Carl dem Grossen sollten sich auch ähnlicheStufen nachweisen lassen. Aber weiter: den Einwurf, dass dasGedicht vom Gral ein nicht ursprünglich deutsches, sondernherübergekommenes Werk sei, hat der Verf. zwar abgewiesen,indem er die Wahrheit als etwas Einheimisches betrachtet unddas Christenthum sonst auch für etwas Ausländisches geltenmüsse; doch dieses reisst gar zu viel nieder und nimmt uns diein der Geschichte der deutschen Poesie so nöthige Unter-scheidung zwischen dem, was auf einheimischem Boden ge-wachsen und von fremdem dahin verpflanzt wurde, gänzlich weg,ob wir gleich in beiden Theilen an wahre Poesie glauben.Übergehen wir auch diese unstatthafte Aushilfe, so hat uns derVerf. doch noch zu erklären, wie die Südfranzosen und dieVölker, bei denen die Sage vom Gral zu Hause war, zu dieserdritten Stufe unserer Dichtung gelangen konnten, ohne unserebeiden ersten zu haben, durch welche doch jene nach dem Verf.bedingt ist; denn dass das Nibelungenlied bei ihnen nicht be-683kannt war, dürfen wir mit einiger Gewissheit annehmen. Folgtendie Bildungsperioden der Völker regelmässig, so zu sagen, nachVorschrift, so könnte man eher darauf verfallen, sie in demVorhandenen zu suchen und durchzusetzen, was es koste. Aber

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