NIBELUNGEN UND GIBELINEN VON GÖTTLING. 161
wollte etwas, das man in gewissem Sinne das Gegentheil nennenkönnte, lieber vertheidigen. Auch auf die Frage [S. 755], warAttila ein wirklicher Mensch oder haben wir ihn für eine alle-gorische (sagenmässige) Person zu halten ? welche mich schlagen 277soll, bin ich um eine Antwort wirklich nicht verlegen. Es scheintmir ein neuer Beweis, wie richtig es war, dass ich die Zeug-nisse, ohne sie (wie es doch nicht anders möglich gewesen)nach meiner Ansicht zu verarbeiten, zu eines jeden Gebrauchbloss aufstellte; je mehr lebendige Verschiedenheit der Ansicht,•desto mehr Gewinn für die Sache. Ganz ohne Einfluss ist in-dessen meine Ansicht doch nicht gewesen, wie ich aus derFrage des Hrn. von Schlegel [S. 748] sehe: „was in aller Welthaben die Nibelungen mit der Catalaunischen Schlacht gemein?Der letzte Theil des Gedichts schildert ja nicht einen Eroberungs-krieg, sondern eine [Fehde] zwischen den Hunnen und einem be-freundeten Volke, in dem Königssitze des Attila selbst, mitten imFrieden durch geheime Leidenschaften angeregt", welches frei-lich alles richtig ist. Eine Antwort auf eine solche Frage, dieschwerlich jemand nicht einfallen kann, muss ich gehabt haben,und sie ist auch wohl angedeutet, indem ich sogar den Bruder-strit der ungarischen Sage, der erst nach Attilas Tod vorfiel,auf die grosse Niblungen-Schlacht wiederum bezogen. Übrigens,da Hrn. von Schlegel die Chronologie zur Seite steht, ist esfreilich natürlich, dass er es für falsch hält, wenn man glaubt,die Niblungen-Sage sei schon in heidnischer Zeit vorhandengewesen.[Schluss der Nachträge zu den Zeugnissen über die deutsehe Heldensage.]
NIBELUNGEN UND GIBELINEN. 681
Von D. Carl Wilhelm Göttimg. Eudolstadt 1816. 104 S. in 8.
Leipziger Litteratur-Zeitung für das Jahr 1817. Erstes Halbjahr.No. 86. 87, 1. und 2. April 1817, S. 681—688. 693—696.'
XJiese Schrift hat die Absicht, eine innere Bildung desNibelungenliedes darzulegen, obgleich sie nicht darauf hinaus-geht, die ursprüngliche oder erste Gestalt desselben zu ent-
W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. II. 1 1