SENDSCHREIBEN AN GRÄTER. 13*
■einem Schein Parteilichkeit und Ungerechtigkeit jeder Art sicherlauben. Wenn die Gegenwart vorüber ist, die eine Machtübt, in welcher wir selber noch befangen nur einzelne Stimmenhaben, die kein allgemeines Urtheil ausmachen können, danndürfen wir, was Geist und Ansicht betrifft, (über Kenntnissenatürlich gleich) frei sprechen; niemand geschieht weh, undindem wir zur Wahrheit streben, wird diese gefördert.
Hrn. Gräters Urtheil z. B. über Suhm [S. 181] ist einsolches aus ungemessener Verehrung gekommenes, welche nurin Verhältnissen, die aus den Gesetzen der Natur entspringen,wie zwischen Eltern und Kindern, schön und rührend ist; ergeht so weit, dass er uns einmal gerathen, zu dessen Füssenzu sitzen, wo dieser in einem erweislichen Irrthum war, nurzu den Quellen soll man sich beugen und aus ihnen schöpfen.Ich habe Suhms Gelehrsamkeit, der meine geringe nicht bei-kommt, seine Verdienste um die nordische Litteratur niemalsverkannt, in eben diesen Heidelb. Jahrb. (1811. S. 776) [= obenS. 16] habe ich Suhms Einfiuss und uneigennützigen Eifer ge-rühmt, sein Buch Om Odin die fleissigste und gelehrteste Ar-beit über die Mythologie genannt, freilich nur als Materialien-sammlung brauchbar. In der Übersetzung der Lieder habe ichseinen Stil, was er wirklich ist, matt und breit genannt (mögejeder die Proben vergleichen), wer es noch nicht glaubt, leseseine Kämpferromane. Es war dies meine Überzeugung, unddie habe ich ausgesprochen, ich will noch mehr thun und hiersagen, dass ich Suhms Fabelzeit, so schätzbar die Sammlung50und Arbeit an sich, in ihrer Ansicht durchaus für verfehlt halte,indem sie die alte Mythengeschichte nur von einer Seite erkannt,sonst aber unwürdig betrachtet.
Der Rec., darf ich mit Sicherheit vermuthen, hat jeneStellen gelesen, dennoch bildet er sich das Recht ein, mir mitden Worten entgegenzutreten [S. 181]: „mit welcher Ein-bildung ich müsse gestraft sein, um einen solchen Übermuthzu zeigen". Ich will mir vorstellen, der Rec. habe persönlicheGründe, für Suhm so zu eifern, und vergesse in der Hitze,dass diese keine allgemeinen sind und bloss ihn verpflichten, aberdas Folgende weiss ich auf keine Weise zu entschuldigen.