120 SENDSCHREIBEN AN GRÄTEE.
Männer, deren Urtheil mir etwas werth ist, sich geäussert, weilich es höher halte, als das allzulaute, unnöthig wachsame Wesendieses Recensenten damit schw.eigen zu machen. Haben michdiese Urtheile nicht stolz gemacht, so schlägt mich des Recen-senten seins nicht nieder 1 ).
Ich habe fast zu lebhaft gesprochen und trete einmalheraus, um mich an Sie .zu wenden und „meinen gerechtenUnwillen über seine unbescheidene Art zu urtheilen (ich borgediesen Ausdruck von ihm [S. 183]) in eine mildere Empfindungaufzulösen". Sie nämlich waren, wie fast in allem so auch hier,der Erste, welcher durch echtpoetische Übersetzungen von zweioder drei Liedern der Kämpe-Viser die Bahn gebrochen, aufwelcher ich („vielleicht nur durch eine falsche Voraussetzungverführt!") zu meinem sichtlichen Nachtheil nicht fortgewandeltbin. Nun erlaube ich mir die Frage, ob ich nicht mit einigen31 Ehren hätte auch wohl ganz viereckige Fehler (es ist nicht ge-schehen, aber doch ist die Frage nicht unnütz) begehen können,da selbst Ihrem scharfen Blick manches entgangen, was, sollteman meinen, einem anderen Mühe kosten würde nicht zu sehen?Sie sagen gewiss ja, und zur Beschämung des Recensentenerlauben Sie mir gern einige Beweise. Bei Kleinigkeiten wollenwir uns nicht aufhalten, sondern lieber gleich mit der Thüreins Haus fallen. Hedebys Gespenst. Str. 1 und 2: ieg lagdemin hest udi helde, Sie übersetzen: ich legte mein Ross aufdie Wiese grün, es hätte einen schon stutzig gemacht, wiedas anzufangen gewesen, wenn es nicht klar hiess: in Schlingen,helde, hälde, das altdeutsche halde, hilde, retinaculum.Dem Pferd wurden die Füsse mit einem kurzen Strick gebunden.Str. 2: til tue, Sie: an einen Baum, heisst an einen kleinenHügel, Rain. Str. 15: han beder de vilde diur i lunde,
! ) Noch eins will ich in einer Note bemerken. Reo. sagt gelegentlich[S. 178. 187], Syvs Einleitungen seien durch meinen Anhang nicht ersetzt.Ich verlange von ihm, dass er etwas Wichtiges, das zugleich zur Sache gehört,als übergangen bemerke, vorausgesetzt, dass es an sich richtig ist. Ich habenicht Zeit und Eaum daran wenden wollen, Syvs Irrthümer zu widerlegen,so wenig als ich mit dem vielen Unbedeutenden, das er mittheilt, mein Buchfüllen wollte.