SENDSCHREIBEN AN GRÄTER. 111
ist unerwartet und durch besondere Unterstützung gekommen.Ausserdem ist noch zweierlei zu beachten. Nyerup wird natür-lich eine Auswahl treffen, und nach seiner Ansicht bleibensolche übertreibende Stücke (wie No. XIV bei mir) zurück,dies ist gewiss, da er (Nyerup) in der Recension meines Buchesmeint, es würden mir wenige für diese Mittbeilung Dank wissen.Mir sind aber diese in den Nibelungencyklus fallende Stückevor allen wichtig, ich habe sogar vorher bei Nyerup angefragt,ob er neue dieser Art geben würde, er hat es aber verneint;mithin wird meine Ausgabe für diejenigen, die nicht mit Nyerupstimmen, einigen Vorzug behalten, aber es wird auch sonst inder neuen Edition manches gestrichen sein, was ich nicht aus-24lassen kann. (S. die Rec. von Axel und Waldburg in denHeidelb. Jahrb.) [= oben S. 1—12]. Sodann, verfliessen zwischenmeiner Arbeit und der neuen vollständigen dänischen Ausgabe6 — 7 Jahre, was höchst wahrscheinlich ist, so war ja bei derinneren Trefflichkeit der Lieder die Hoffnung auf eine zweiteAuflage nicht so eitel und dann leicht, wenn versäumt war,nachzuholen. Das konnte der Rec. überlegen, ich will ihmaber keinen Vorwurf darüber machen, dass er es nicht gethan?da er auf den ersten Augenblick Recht zu haben scheint, aberdarüber mach' ich ihm einen Vorwurf, dass er mir nicht nach-gewiesen, wo mich der unkritische Text zu Fehlern verleitet,was doch leicht möglich gewesen: dies würde ihn darauf ge-führt haben, den Text zu vergleichen, und da würde er ge-funden haben, dass ich ihn an manchen Orten verbessert, wovonhernach einige Beispiele vorkommen. Habe ich hier gefehlt,so gab ihm das Gelegenheit an die Hand, mich zu corrigiren,dergleichen wäre etwas werth gewesen.
§ 2.Der Rec. übereilt sich sehr und spricht von Eile bei diesemBuch, ohne zu wissen, wie lang und anhaltend ich daran ge-arbeitet. Wer die Zeit nicht verzettelt und vor allem wernach Methode arbeitet, kann manches ausrichten, während einanderer in litterarischer Eitelkeit Räder schlagend auf- und nieder-schreitet (beim Wind sieht's am lächerlichsten aus, denn der