SENDSCHREIBEN AN GRÄTER. 107
Recensent nichts auszusetzen wusste, so wären mir drei WorteAnerkennung davon das liebste Lob und gerade so viel, alsnöthig gewesen und ich verdient hätte. Denn ein blosses fadesLob ist mir noch mehr zuwider als elender Tadel, und ichwüsste nicht, wie der Rec. sich anders übertreffen könnte, alsdurch ein Umsatteln zu jener Manier. Die Recension, die ichmir als gute vorstelle, vereinigt grosse Schärfe und grosse Milde,und ihr steht nichts mehr gegenüber als eine, wie vorliegende,die gesuchten, falschen Tadel wie einen Iltis durch einiges Lobwohlriechend zu machen denkt, aber der stinkt bekanntlich par-fümirt nur ärger; wären die Beschuldigungen, die er aufzustellensucht, nur halb begründet, es war seine Pflicht ganz anders zu-20reden.
Hätte der Recensent sich begnügt, seine Wahrheitsliebe zuloben und meine Arbeit eilfertig, ungeschickt, fehlerhaft undgeistlos zu nennen, würde ich einen Rath, den Ihre nur leisauftretende Gesinnung mir gewiss gibt, von selbst befolgt haben,nämlich kein Wort geantwortet, den Rec, so hoch er sichmacht, übersehen und aus meiner Kindheit mich erinnert, dassja des schrecklichen Knecht Ruprechts Haupt nur ein einfältigerStaubbesen war, mit einem weissen Tuche behängt. Auch derTrost, den Sie mir gleichfalls geben würden, fällt mir schonein, dass, weil der Beweis dieser Behauptungen nicht geführtsei, ja in ihnen selbst Widersprüche sich darthun, die Schandeam Ende doppelt auf ihn zurückfalle. Die Freude an denDruckfehlern hätte ich ihm auch gern gelassen, man freut sichselber, einen Menschen einmal so wohlfeil in herzlicher undwahrhaft unschuldiger Lust zu sehen. Allein zweierlei machtees doch nöthig, einmal (zum zweiten Mal natürlich nicht wieder)darauf zu antworten. Erstlich die verschiedentlich durch-brechende Begierde, meine Kenntnis des Isländischen verdächtigzu machen (die, wie ich selber überzeugt bin, noch gar sehrwachsen kann und muss); diese Begierde sticht ihn so sehr,dass er eine der verzeiblichsten Nachlässigkeiten, die, wie dasBuch selbst beweist, in vielen durchaus gleichen Fällen nureinmal vorkommt, zur Stütze seiner Behauptungen macht. Ichwünsche bei dieser Gelegenheit zu meinem Besten, dass mir