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2 (1882)
Seite
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106 SENDSCHREIBEN AN GRÄTER.

dabei an eine Ansicht, die alle Veränderung und Epoche in derReligion als ein von einem ewigen Weltgeiste rührendes Fort-leben und Bewegen ansieht, das naturnothwendig ist und sowieder über allen Menschen steht, und welche darum der Zeitund den Menschen, in welchen es sich offenbarte, eine gewissegöttliche Natur beilegt, die ihnen unbewusst auf ihrem Hauptgeruht, wie nur auf des schlafenden Servius Tullius Haupt eineFlamme brannte, die bei seinem Erwachen verlosch. Was dieseAnsicht, zumal roh wie hier ausgesprochen, für einen Namenverdiene, das wissen wir wohl, Sie haben sie selbst gelegentlich19 an sonst gar nicht so übelen Schriftstellern zu tadeln nicht ver-fehlt oder einen Stein auf die jungen Titanen geworfen: Schade,dass Jupiter Berge dazu nahm, sonst war kein Unterschied.Allein das wollte ich eigentlich bemerken, dass wie man beiihr des Fadens keinen rechten Anfang auf der cultivirten Erdefinden kann, sondern immer, wenn man sich nasführen lässt,wie nicht recht gescheidt hinterherläuft, so ist doch bei der-jenigen, welche Sie aufstellen, gar wohl das möglich: das fremdewunderbare Element, will man sagen, Göttlichkeit, fällt heraus,die Menschen handeln bloss irdischer Zwecke halber, denen manauf den Zahn fühlt, weil man sie aus Erfahrung kennt; ja mansieht hinter die Coulissen und weiss, was daselbst die Jahr-hunderte darnach verehrten Götter für Creaturen waren. Vetternund Basen waren darunter, wie Sie uns mittheilen.

Ich komme aber ab und wollte von der Recension *) reden,deren Antikritik vor Ihnen hier erscheint, nicht ohne einigesGefühl solcher Kühnheit. Als ich diese Recension zuerst er-blickte und ihre Ausführlichkeit, die in dem Schein von Gründ-lichkeit sich zu gefallen schien, so glaubte ich nicht, dass icham Ende mit der besten Empfänglichkeit für Belehrung michnicht zu Abänderung eines Jotas in meiner Arbeit bewogensehen würde. Ich hoffte einige Minuten lang eine Recensionzu finden, welche alle Irrthümer scharf und genau angegebenhätte, wäre dann noch etwas übrig geblieben, an dem der

*) [Der Altdänisehen Heldenlieder in den Heidelbergiselien Jahrbüchernder Litteratur. Jahrgang VI (1813) Bd I, No. 11-13, S. 161198. unterz.: TJ