]04 SENDSCHREIBEN AN GRÄTER.
17 SENDSCHREIBEN
AN HERRN FRIEDRICH DAVID GRÄTER,
DER W. W. DOCTOR, RECTOR UND PROFESSOR.
Drei altschottiscke Lieder in Original und Übersetzung aus zwei neuen Samm-lungen. Nebst einem Sendschreiben an Herrn Professor F. D. Grater vonW. C. Grimm. Heidelberg, bey Mohr und Zimmer. 1813. 8. S. 17—50.
Vergönnen Sie einer kleinen kritischen Arbeit vor IhreAugen zu treten, in welcher wenigstens das Bestreben, unver-ständige und ungerechte Angriffe abzuwehren, auf Ihren Beifallhoffen darf. Wer aber könnte besser urtheilen als Sie und wervor Ihnen? Sie waren ja der Erste, der uns Deutsche in dieHerrlichkeit altnordischer Dichtung einführte, indem eine Über-setzung der zwar schon erläuterten Edda gleichsam die ver-steinernde Decke abzog oder das Eis losschlug; nicht wenigerder Erste, der uns aus dem zweiten Theil der Sämund. Edda9 Strophen, „noch nie gedruckt und nie erklärt", in dem Urtextsammt lateinischer Übersetzung („mirabuntur viri eruditi etmirentur licet — at periclitandum est!") mittheilte*); endlichwaren Sie (ich irre gern) auch der Erste, der das reiche Kämpe-visebog öffnete und in einigen (unübertroffenen) Übersetzungen,auf die ich mir in der Schrift selbst einmal zurückzukommen dieFreude mache, gleichsam einen Vorschmack gab. Ich weiss nichts,was ich von Bedeutung dagegenstellen könnte, und dürfte ichvielleicht mit einigem Vortheil anführen, dass mich meine Corre-spondenz an Porto Geld genug kostet, so wüsste ich doch nichtzu sagen, dass sie bis zum Ebro oder gar der ungrischen Sausich erstreckt. Wichtigere Arbeiten hatten Ihren Geist gefesselt,
*) [Helga-Quida haddingia scata, h. e. Carmen de Helgio, Haddingorumheroe, Sectio I. Specialen eddicum codicis Vidaliani, nunquam antea typisImpressum nee interpretatione illustratum. Quod programmatis loco in Anni-versariis Majestatis Regiae Cal. Jan. MDCCCXI celebrandis publico erudi-torum examini subjicit Frid. Dav. Gräter, Halae Suevor. 1811 = Odina undTeutona (s. folg. A.) S. 211 — 224.]