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2 (1882)
Seite
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90 DIE EDDA VON FR. RÜHS.

Dialekt sich jedes denkbare Verhältnis zu den übrigen findenkann, in einigen reichen auch wird, welches nur allzeit in sich,und oft ungemein verschieden sein mag; also wird jeder etwasbesitzen, was er nur noch allein hat, anderes, was er nur miteinem einzigen theilt, bis auf das, was nur einem einzigen fehlt,in allen möglichen Abstufungen. Es würde leicht sein, Bei-spiele von Wörtern zu geben, die sich nur noch allein im Alt-deutschen, von solchen, die sich nur noch in der altdeutschen undaltnordischen [Mundart] finden, usw. Diese Verhältnisse beziehensich aber nicht bloss auf Wörter, sondern auf alles, wodurchein Dialekt besteht, jede grammatikalische Eigenthümlichkeit,Umlaut, Erweiterung oder Zusammenziehung gehört hierher.Es ist beiläufig daraus klar, dass das Ganze nur aus dem Zu-sammenfassen einer jeden Äussserung der ursprünglichen Idee,mithin aller Dialekte, verstanden und durch dieses Verständnis,das wiederum verbindet, was die Zeit getrennt, eine historischeStärkung, freilich aber keine absolute Gesetzgebung gewonnenwerden kann, die sich überhaupt die Zukunft verbittet. Nehmenwir dieses Verhältnis grösser und betrachten den germanischenStamm wieder nur als einen Zweig eines anderen (wem diesentgegen ist, der sehe hier, wo nichts darauf ankommt, nur einGleichnis, welches das unleugbare Factum von der Überein-stimmung der germanischen Sprache mit der indischen, per-97isischen, griechischen und römischen auf diese Art aufstellenwill); so folgt daraus, dass in jedem Dialekt auch wieder einbesonderes Verhältnis der Annäherung und Entfernung zu jenengrösseren Zweigen sich finden muss und darin nur durch dieseerläutert werden kann. Diese Sätze, die freilich einer aus-führlicheren Entwickelung fähig sind, auf unseren Fall ange-wendet, ist es eines Theils bei der überhaupt schon bemerktenÄhnlichkeit der nordischen und angelsächsischen Poesie und beiihrem Alter zu erwarten, dass eine gewisse Anzahl Wörter nurnoch in beiden sich erhalten und darum diese Anzahl vorzugs-weise beträchtlicher sein müsse, als bei der Übereinstimmungmit anderen Dialekten und Sprachen, wo eine solche Annäherungnicht statt gefunden. Auf der anderen Seite ist es eben so klar,dass nichts verkehrter sein würde, als der Schluss auf ein Er-