DIE EDDA VON FR. EÜHS. 89
auch die fünf einigermassen zweifelhaften (darum mit einemStern bezeichneten) dazu, so wird doch niemand glauben, dasseine so kühne Behauptung, wie die des Herrn Rühs, daraufruhen könne. Davon wünscht nur Rec. durch diese Wider-legung überzeugt zu haben, dass Hr. Rühs nicht im Standeist, ausserdem ein langes Register von Wörtern, die seine An-sicht erhalten können, aufzustellen, und dass es mit den übrigensich nicht besser, eher wo möglich noch schlechter verhaltenwird; da er es indessen zuversichtlich behauptet, mag ausdrück-lich gesagt werden, dass eine in der That zu oberflächlicheKenntnis der altnordischen und neueren Sprachen sich hier ge-zeigt, ja es bleibt unbegreiflich, wie bei der geringsten Auf-merksamkeit Wörter, wie erja, Färth, Fior, skirr, Spor,snotr, haben können aufgeführt werden. — Was die Sacheselbst betrifft, abgesehen von der Hypothese des Herrn Rühs,die freilich zu Grund gehen musste, so ist es an und für sichnicht so schlimm damit, wie es hier aussieht, und es mag sichleicht mehr als ein Wort im Nordischen finden, das sich imAngelsächsischen nur noch erhalten hat: ein Paar Betrachtungendarüber gehören zur Vollständigkeit unseres Urtheils.
Es ist gewiss, dass, als die tiefe Quelle der germanischenSprache in ihre Ströme ausgieng, diese Ströme eben durch einenTrieb nach einer besonderen Richtung, der in ihnen vorherrschte,geworden sind, denn alles verlangt bei dem Zusammenhang mit 97»dem Grossen und Einen wieder sein eigenthümliches, ihm alleinzugehöriges Leben; ferner, dass dieser Trieb durch seine Kraft,die Ströme, die anfangs noch neben einander flössen, mit derZeit immer weiter von einander trennte. Dieses Verhältnis istohne Widerrede in der Geschichte eines jeden Sprachstammessichtbar; je weiter wir zurückgehen, desto mehr nähern sichdie Dialekte. Die einfache Folge davon ist, dass jeder Dialektetwas besitze, das ihm ganz allein zugehöre, derjenige aber dererste zu nennen, der das Meiste in seinem Bett zusammenfassenund behalten konnte, oder, um ein anderes Gleichnis zu ge-brauchen, der, wenn er zur Vergleichung neben die anderengestellt wird, am wenigsten Schulden hätte (borgen müsste),ebenso auch auf der anderen Seite, dass kein einziger bloss-Passiva ohne Activa habe. Die zweite Folge ,ist, dass in jedem