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2 (1882)
Seite
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DIE EDDA VON FR, RÜHS. 81

angelsächsischen gelten kann. Man wird es dem Rec. erlauben,diese Idee herauszunehmen, um an sie zuerst eine nähere Be-trachtung zu wenden. Die Ansicht wird aber folgendermassenaufgestellt: über die alte Poesie des Nordens lasse sich ausMangel an Nachrichten nichts, kaum das Allgemeine sagen, dasssie einmal müsse vorhanden gewesen sein, weil selbst nochrohere Völker ihrer nicht entbehrt. Die angelsächsische habesich schon frühe, zwar nicht aus sich selbst, sondern nach denMustern der welschen Barden gebildet, und aus ihr sei durchMittheilung die isländische entsprossen, eine aus fremdem Landegeholte Blume nur von den Gelehrteren gehegt; und wie dieseDichtung dem Geiste des Volkes entfremdet, so habe sich selbstdie Sprache darin von der einheimischen losgerissen. Norwegenund Dänemark, an sich ohne Lieder, haben erst von Island auseiniges erhalten.

Grosse Übereinstimmung zwischen der angelsächsischen undnordischen Poesie, wie in der Sprache, ist nicht zu verkennen,und schon längst auch in jener Hinsicht, besonders von demgelehrten Olafsen bemerkt worden. Begreiflich kann dieseallein das Erborgen durchaus nicht beweisen, weil man mitgleichem Recht die Behauptung umdrehen und die angelsächsischefür eine Nachahmung der nordischen ausgeben könnte, und essind noch andere besondere Gründe nöthig. Diese gibt auch 962Hr. Rühs als die eigentlich entscheidenden S. 113 ff. an. Erst-lich nämlich zeige sich in der angelsächsischen Poesie eine ge-wisseTechnik, namentlich die Alliteration, als ein charakteristischesZeichen; dass diese aber in der nordischen, wo sie gleichfallserscheint, ein fremdes Element, mithin von dort erborgt sei,folge daraus, dass sie nicht weiter bei dem germanischen Stamm,selbst nicht in altdänischen und altschwedischen Gedichten vor-komme. Zweitens: ein gleiches Verhältnis sei in der Spracheselbst sichtbar,die isländische Dichtkunst habe eine Menge vonWörtern, die nicht in der gewöhnlichen" (altnordischen undheutig isländischen)Sprache, viel weniger in den übrigenDialecten vorkommen, diese Wörter seien meistentheils angel-sächsisch".

Beide Behauptungen sind wichtig, und wenn sie als wahr

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