NARRENßUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 75
endlich das, worin das eigenthümliche Leben des Einzelnen sieb,kund gegeben, wodurch die Tradition besonders gefärbt undausgedehnt wurde. Den Unterschied zeigt die Geschichte, dassfrüher der mythische Charakter bestimmter und reiner hervor-tritt, der später von der Anmassung des Einzelnen zurückge-drängt wird.
Es ist hier nicht der Ort, diesen wichtigen Gegenstandweiter auszuführen, nur soviel musste erwähnt werden, umdiesen Gedichten ihren mythischen Charakter zu erwerben.Können wir also auf der einen Seite behaupten, Nithart, derKalenberger haben wirklich in einem solchen Kreise und insolchen Äusserungen gelebt, so ist es auf der anderen wahr,dass sie mit Gonella, Brusquet, Eulenspiegel nur eine und die-selbe Person sind, nach ihrer Natur wieder im Einzelnen ver-schieden, und dass die Erfindung dieser Scherze keinem zuge-hört oder auch jeder ein gleiches Recht darauf hat. Mancheswird sich aus dieser Ansicht erklären, eben weil mit den Men-schen nicht die Dichtung starb, so sind die Angaben von ihrerLebenszeit so verschieden und oft geradezu gegen die Chrono-logie; wie wir dieses bei Nithart bemerkt, so findet sich beidem Eulenspiegel ein Gleiches, Flögel (461) wusste kein anderesAuskunftsmittel als zwei Eulenspiegel anzunehmen, welches, nurrecht verstanden, auf den rechten Weg geführt hätte.
Was die Namen betrifft, so ist der des Nitharts unstreitigein mythischer, er bedeutet einen neidischen, schadenfrohen, der-gleichen Nithart in Beziehung auf die Torper war. Er sagtselbst von ihnen, Brent. Manusc.:
so ist mein gedenken,
wie ich s' mocht krenken
vnd geschenken
in' do mit,
das sie alle wurden krank:
darnach so stet mein Gedank;
so ist ir springen vnd ir sprank
gar geleich den pocken (Böcken).
Gayler von Kaisersperg braucht das Wort in dieser allgemeinen 1301Bedeutung, und wir besitzen eine kleine Fabel in Handschrift,de nythardo überschrieben, welche, als Gleichnis von einer nei-