NARRENBUCH VON F. H. TON DER HAGEN. 73
nicht in eine Reihe zu setzen. Manchmal klingt's in dem Tonderselben, aber dann bricht's ab und zart und leichtschwebendist kein einziges Lied wie dort. Viele sind derb unzüchtig:die Gedichte heben fast alle in dem ersten Vers mit einem Lobdes Frühlings oder mit der Klage über den Winter an, oft ohneweiteren Zusammenhang. Das Metrum, obgleich auf der einenSeite schwer und gar nicht volksmässig, ist doch wieder eigen-thümlich und hat manchmal die Bewegung der Bauerntänze.Übereinstimmung in den Schwänken bei Nithart und demKalenberger findet sich eigentlich nicht, dagegen sehen wirmehrere Scherze, die Nithart ausgeführt, auch anderen zuge-1299schrieben. Einmal (nach dem Mscpt.) will der Herzog Nit-harts Frau besuchen, Nithart sagt ihm, seine Frau sei zwarschön, aber leider taub, dasselbe sagt er ihr vom Herzog undsie müsse laut reden; wie dieser kommt, umfasst ihn die Frauund schreit ihm in die Ohren, dass ihm das Haupt erklingt under erschrocken zurückkehrt; denselben Schwank finden wir beiGonella, einem der berühmtesten Hofnarren des 15. Jahrhunderts amHofe zu Ferrara (Flögel 307); auch von Brusquet, einem Fran-zosen aus dem 16. Jahrhundert, wird er erzählt (Flögel 358, der nochandere Citate hat). Durch diesen Gonella wird Nithart mit demEulenspiegel verbunden, indem diese in mehreren Streichen über-einstimmen. Beide nämlich, als sie des Landes verwiesen sind,helfen sich auf ähnliche Weise: Gonella kommt auf einem mitseiner Erde angefüllten Wagen gefahren, Eulenspiegel schlitztsein Pferd auf und stellt sich hinein, als wäre er zwischen seinenvier Pfählen (Flögel 206); Bruscpjet gehört auch hierher, denner trägt fremde Erde in seinen Schuhen, und Pape Theun, derHofnarr Carls V., der es wie Gonella machte (Flögel 374. 206).Beide sagen mehreren Blinden, sie hätten einem unter ihnenetwas gegeben, so dass jeder meint, der andere habe das Ge-schenk, und sie Zank darum anfangen (Flögel 308). Der Schwankmit der Viole, die Nithart der Herzogin zeigt, der übrigensnicht im B. Mscpt. wie bei Hans Sachs mit dem von der vor-geblichen Taubheit verbunden ist, knüpft den Nithart an denTaubmann, dem er gleichfalls zugeschrieben wird.
Scheint auf diese Art das Eigenthumsrecht oft der am besten