NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 65
Anzeige des Eecensenten im Neuen lit. Anz. 1807, No. 50[= Kl. Sehr. I, 45—47], die dem Herausgeber entgangen zu seinscheint.
III. Der Pfarrherr vom Kaienberg und Peter Leu.Beide Gedichte haben einen sehr ähnlichen Charakter, guteSpässe, etwas feiner, als sie Eulenspiegel geliefert, wiewohldieser charakteristischer und originaler bleibt; hier in der Dar-stellung mögen sie auch schon etwas verloren haben. Die Über-einstimmung beider zeigt sich nicht nur in der Benennung, indemPeter Leu der zweite Kalenberger heisst, sondern auch darin,dass in beiden eine ziemlich gleichlautende Predigt vorkommt,wodurch der Heransgeber eine Nachahmung beweisen will, dieindes weder in der Vorrede eingestanden noch in diesem Sinnvorhanden ist.
Für die historische Erklärung beider Gedichte ist nichtsgeschehen, selbst Flögeis so brauchbares Buch über die Hof-narren [Leipzig 1789], wenn gleich angeführt, doch nicht benutzt,wahrscheinlich nicht einmal nachgesehen. Denn schwerlich würdeder Herausgeber es unterlassen haben, anzumerken, was sich ausS. 178. 179. 255 bei Flögel ergibt, dass die Sage, worin derKalenberger den Thürhüter, der mit ihm theilen will, betrügt undihm Schläge zuwendet, mit geringer Abweichung von dem tür-kischen Hofnarren Nasureddin Chodscha erzählt wird, fernerdass sie bei Sacchetti in der 195. Novelle von einem Bauervorkommt, der dem König Philipp von Valois seinen verlorenenSperber wieder bringt.
Diese Übereinstimmungen aber sind hier ungemein merk-würdig; würden mehrere dieser Art auch nur in verwandtenGedichten sich finden, so würde die Frage, wie sie zu erklären,zunächst ein Zweifel, ob die Personen, die in diesen Gedichtenleben, auch ausser denselben gelebt haben, sehr natürlich undvor allem zur Untersuchung interessant sein. Ohne sich aufdiese einzulassen, behauptet Hr. v. d. Hagen (S. 515): „es istnicht zu zweifeln, dass der Kalenberger wirklich gelebt habeund alles oder doch das meiste so geschehen sei, wie wir eshier lesen"; hernach etwas Ähnliches vom Peter Leu. DieStütze der Behauptung ist das Gedicht selber, in welchem die
W. GRIMM, KL. SCHRIFTEN. II. 5