NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 63
noch lebenden Sage ist es nicht besser ergangen, denn dass diePaar Zeilen, die S. 496 ihrer Erwähnung thun, hier für etwasgelten sollen, wird er selbst nicht behaupten. Mehr Sorgfaltund Mühe hat er nicht an eine Dichtung wenden wollen, vonder er selbst sagt, dass Görres sie mit Recht dem unsterblichenDon Quixote verglichen. Die Ehre, zuerst wieder auf dieseArt eine Ausgabe veranstaltet zu haben, dürfte ihm nicht leichtmissgönnt werden. Die Fragen nach der Entstehung, Ausbil-dung, nach dem sagenmässigen, allgemein verbreiteten Lebendes Ganzen werden gleich anfangs mit einer leichten Con-versationswendung: „die Namen werden nicht gern gehört, einjeder kennt seine Heimath" abgewiesen. Da sie gleich vortrockenen Auszügen steht, so bedenken wir uns gar nicht, viel-leicht etwas linkisch, darauf zu antworten: sie würden rechtgern gehört, und der Verf. sei nicht zu loben, dass er absicht-lich zu verschweigen sich anstelle, was ohne Zweifel von Inter-esse sei.
Wir sind nicht verpflichtet, des Verfassers Schuld hier abzu- 1291tragen, die einzelnen Sagen nachzuweisen und in ihrer Ver-schiedenheit und Übereinstimmung aufzustellen, ohnehin würdendie Grenzen einer Recension uns von dieser Pflicht befreien.Leser, denen die Quellen zur Hand sind, mögen etwa nur dieFabel vom Krebs Cap. 41 mit Bebel S. 184, mit einem Meister-gesang, vermuthlich H. Sachsens von 1545, mit der Erzählungim ovum paschale Th. 2, S. 250—254 und einer wiederum ganzverschiedenen in der Fortsetzung dieses Werks S. 64—66, sowie endlich mit der Sage vom Hering gleich Eingangs derMalboers Bedrifter vergleichen.
Wir irren schwerlich, wenn wir meinen, man könne erstvon einer alle und jede Verschiedenheit der Fabel verfolgenden rfreilich mühsameren Bearbeitung des Ganzen sagen, dass etwasfür die Erklärung desselben geleistet worden. Es würde dannklar vor Augen stehen, wie das Gedicht, aus der Mitte mannig-facher Traditionen aufwärts getrieben, die Idee, die durch jenehingegangen, gefunden und ausgesprochen habe. Das ist Pflichtder historischen Untersuchung, das Geflecht und die Adern des-Blattes, das frei in der Luft spielt, zu betrachten und den Zu-