54 NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN.
gesagt, gut, dass sie wieder abgedruckt sind, indessen hat Flögelin der Geschichte der Hofnarren einen ausführlichen Auszuggegeben, mit welchem man sich gern begnügt hätte, bis siesorgfältiger erschienen wären. Dass diese Gedichte übersehenwürden, war bei der Art, womit das Studium der altdeutschenLitteratur überhaupt getrieben wird, nicht zu befürchten, undeben darum eine solche Hast unnöthig, bei welcher dem Verf.selbst nicht wohl kann geworden sein.
Wäre ein ordentliches Studium vorangegangen, so würden1283 mehrere ganz bestimmte, feststehende Charaktere begegnet sein,wie der Prahler, Schwaben, Schneider. Diese nebeneinanderaufgestellt hätten, gegenseitig sich erläuternd und erklärend,erst den Reichthum und die eigentliche Natur dieser Seite deraltdeutschen Poesie erkennen lassen. Eine solche mannigfachsich ausbreitende Untersuchung müsste der Geschichte der Poesienicht gering zu achtende Resultate gewähren. Gerade dieseRuhe und helle Besonnenheit des Humors, diese ausdauerndeund sicherlebende Ironie ist etwas den Deutschen ganz Eigen-thümliches, die leicht an leichtspringendem Witz von anderenVölkern übertroffen werden.
Wissenschaftlicher Ernst hätte hier noch einen anderen Vor-theil gebracht: das Buch wäre dann nur in die Hände derergekommen, denen es gebührte. Wir wissen auch, dass Derb-heiten dieser Dichtung zugehören und nothwendig sind, undverlangen so wenig, dass sie wegbleiben sollen, als wir denAristophanes castrirt sehen möchten, allein unsere Zeit hat eineZucht und Sitte, die geachtet werden muss, vor deren Augenman solche Dinge nicht hinstellen soll. Das Volk mag sie ver-tragen, aber ein feiner schamhafter Sinn der Frauen, der etwasEdles ist, hätte hier gewarnt werden sollen, und ein Zusatz:„für Männer gedruckt" scheint so statthaft als das bekannte:Manuscript für Freunde.
Dieses im Allgemeinen über das vorliegende Buch ausge-sprochene Urtheil halten wir uns schuldig im Einzelnen zubewähren, wodurch wir zugleich in den Stand gesetzt werden,der Recension einiges Interesse zu verleihen.
I. Die Schildbürger.- Wie dieses Werk das Vollen-