NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 53
überliefert worden, hinausgehen und einen mythischen Cha-rakter haben, müssen bis zu ihren Quellen verfolgt und ihreEntwickelung und Ausbildung, so weit es möglich ist, vor unsereAugen gelegt werden. Nichts darf für diesen Zweck versäumtwerden; es ist nöthig, dass die Geschichte der Poesie gewinneund das Gedicht selbst reicher, reiner und frischer der leben- 1282digen Lust übergeben werde, welcher die Wissenschaft sichdoch nimmer entziehen darf. Wir zweifeln, dass dem Hrn.v. d. Hagen diese Forderungen entgangen sind, sollen wir aberdas Resultat unserer Betrachtung seiner Arbeit gleich voran-stellen, so müssen wir sagen, dass er keine davon erfüllt, wasnoch schlimmer, dass er nicht einmal den Vorsatz gehabt, siezu erfüllen. Haben wir ihm dafür gedankt, dass er die beidenKalenberger, die selten sind, wieder hat abdrucken lassen, wasdoch immer ein massiges Verdienst ist, so wissen wir nicht,was wir an dem ganzen Buch noch zu loben hätten. So sorg-fältig und übergenau der Verf. in dem ist, was den altdeutschenNationalcyklus betrifft, so nachlässig erscheint er in den Prosa-büchern; man hat dem Buch der Liebe schon vieles mit Rechtzur Last legen können, dennoch ist es mit einer gewissenäusseren Sorgfalt behandelt, da hingegen dieses Werk kaumleichtsinniger konnte angefasst werden. Der Anhang, welcherhistorische Untersuchungen und litterarische Notizen enthaltensoll, liefert nur, was dem Verf. in der Eile unter die Händekam, und gewinnt endlich durch mancherlei Nachsätze das An-sehen von blossen Collectaneen; dazu kommt, dass bei einemfremden Corrector sich in diesem Theil eine Menge böser Druck-fehler eingeschlichen haben.
Wir verlangen von jeder Arbeit, dass sie ernstlich gemeintund wirklich förderlich sei. Das ist dieses Buch aber auf keineWeise, und man sieht nicht ab, wozu es eigentlich in dieserGestalt unternommen worden. Das Laienbuch wird gegen-wärtig noch in einigen Gegenden Deutschlands als Volksbuchverkauft, wohl nicht mehr der Morolf, aber dieses Gedicht istin der älteren poetischen Bearbeitung, welche der Prosa nichtnachsteht, schon dem Publicum von dem Herausgeber mitge-theilt; was die beiden Kalenberger betrifft, so ist es zwar, wie