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2 (1882)
Seite
55
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NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 55

detste und Gediegenste in der alten komischen Litteratur ist:so erscheint eine sorgfältige Bearbeitung hier am notwendigsten.Was den Text betrifft, so ist der erste Theil nach den Aus-gaben von 1605 und 1614 gemacht, die frühere von 1598 hatder Herausgeber nicht gehabt, da sie doch bestimmt existirt undbillig hätte benutzt werden sollen; zweifelhafter ist freilich dievon 1597, weil man überhaupt Drauds Angaben*) nicht für zu-verlässig nehmen kann. Indessen wollen wir hierüber nichtlange rechten; da das Laienbuch, wahrscheinlich wegen der inPerioden geschlossenen Rede, die nicht so leicht zu zerreissenwar, überhaupt wenigere Veränderungen erlitten und selbst inden heutigen Volksbüchern noch ziemlich rein erscheint, so maghier nicht so viel auf die ersten Ausgaben ankommen, wie beiden Romanen im Buch der Liebe. Diese Nachlässigkeit ver-schwindet gegen eine viel bedeutendere und geradezu unver-zeihliche, indem Hr. v. d. Hagen den zweiten Theil des Buchsnicht mitherausgegeben hat. Dieser, wenn er gleich nichtvöllig den ersten erreicht, ist dennoch ungemein witzig und invielen einzelnen Zügen ganz vortrefflich. Statt ihn im Textmit abzudrucken, gibt er im Anhang einen dürftigen Auszugdavon, dem aller Scherz und alles poetische Interesse entzogenist. Eben so ist die abweichende Erzählung des Grillenver-1284treibers von den allzuderben Capiteln des ersten Theils, dieman ganz zugegeben wünscht, nur im Inhalt geliefert; wie wenigaufmerksam auch dieser gemacht ist, sieht man daraus, dassdas eine Gedicht (S. 453 ff.) in zehn (nicht einmal in neun)Verse abgetheilt worden, während es offenbar ein ganz regel-mässiger Meistergesang von zwei Stollen und Abgesang in dreiGesätzen ist. Auch die Litteratur des Laienbuchs ist nicht voll-ständig: der Katalog der Ungerischen Bibliothek führt S. 125eine Ausgabe des Grillenvertreibers Frankf. 1670. 8° an. Eineandere erschien: Nürnberg 1678. Die Ausgabe s. 1. et a., welchein der Romanenbibliothek benutzt und hier S. 491 bezweifeltwird, existirt unstreitig, der Titel ist ganz richtig, nur etwasabgekürzt angegeben. Sie stimmt dem Inhalt nach treu mit derAusgabe von 1598 überein, und nur die Orthographie ist erneuert.

*) [Vgl. Briefwechsel zwischen J. und W. Grimm, Anm. S. 509.]