44 DER HELDEN BUCH VON F. H. VON DER HAGEN.
reden, so gilt kein Mischen der untergegangenen Formen undder neuen, welches absichtlich ist; unbewusst allerdings .wirdsich die Sprache aus ihren alten Schätzen erweitern können,weil wir am wenigsten eine historische Stärkung ihr wegnehmenmöchten; wie der Geist das neue Wort im Moment der Noth-wendigkeit erfindet, so wird er in Gleichem das alte wieder an-wenden, aber äusserlich nach einem System, führt den Tod insich. Richtig bemerkt der Herausgeber, dass, je näher sich836 seine Erneuung an das alte anschliesse, desto schreiender derMisston werde, es zeigt sich da, dass es nur eine Abweichung,nichts für sich Wohlklingendes sei. Es ist hier eine Mischung,die in keinem Punkt der Vergangenheit war und in keinemder Zukunft sein kann, weil sie ausser der Seele der Spracheliegt; dass ein mittlerer Verstand als Vorsatz irgendwo rechtsein könne, ist uns undenkbar, unwillkürlich wird die Beschränkt-heit weltlicher Kräfte stets eine Grenze setzen, aber alles, waswürdig lebt, strebt nach dem Höchsten; es liegt nicht in demWillen, wenn zwei zu einander Redende sich nicht ganz ver-ständlich machen können, sondern in der Dürftigkeit der Sprache,worüber alle Dichter klagen. — Einige der hier mitgetheiltenGedichte sind in der Form, in welcher sie auf uns gekommen,bedeutend jünger als das Nibelungenlied und eine Anzahl Wörterausgenommen bald verständlich. Hier ist nun das Schreiendeweit weniger hörbar, als in der Bearbeitung des Nibelungen-lieds, aber wie leicht hätte der Herausgeber darum beide Rück-sichten befriedigen können, wenn er gleich unter dem Text dasUnverständliche erklärt hätte, ein Verfahren, das uns das Ein-fachste und Natürlichste scheint. Wir wissen nichts, was da-gegen'sein könnte, als die Parade des Drucks, dessen Schön-heit und Luxus wir darum tadeln und an sich rühmen. — Beialler Sorgfalt, sich so leicht als möglich bei den Schwierigkeitenzu helfen, sind die Hände so sehr gebunden bei dieser Manier,dass ein geringer Zusatz sich leicht als unschicklich zeigt; soheisst es z. B. in dem Original des Rosengarten:
Str. 254. Chriemhilt die Königin (weise) do nit viel lenger beyt,mit Ernst vnd mit Fleise sy sich gar schon bereit.
bei Hagen: