Druckschrift 
2 (1882)
Seite
43
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DER HELDEN BUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 43

Wartein weil, das zwischen Himmel und Hölle liegt und wohindie Landsknechte wegen ihres ehrbaren Fluchens und sonstigerfrommer Gottlosigkeit verwiesen sind. Der Herausgeber hat inder Vorrede einiges zu seiner Verteidigung gesagt, was erüberhaupt über die Nothwendigkeit der Erneuerung vorbringt,ist auch unsere Meinung; die Neigung dazu hat sich durchalle Jahrhunderte gezeigt, nur allzeit unschuldiger: aber gegendas, was er zur Verteidigung der seinigen anführt, haben wirvieles einzuwenden. Er sagt, es gelte bei der Sprache, die noch s.ssfortlebe, kein Alt und Neu; der Satz ist ungeheuer; insofern erbedeutet, dass der Geist, der redet, ebenso die Idee der Poesiekeine Geschichte habe, können wir ihn gern zugeben, aber dieÄusserungen und Formen des Geistes, wovon die Sprache eineist, haben ein Alt und Neu, sonst würde auch eine Erneuungüberflüssig sein; die Sprache der früheren Jahrhunderte ist be-stimmt untergegangen, wiewohl aus ihr die jetzige entstandenund sie mithin in Beziehung darauf keine todte heissen kann. In-soweit passt das Gleichnis von dem Palmbaum, dessen Blätter andem früheren Ring standen, wie an dem späteren jetzt, recht gut,und jede Pflanze drückt es aus, die wieder aufwächst, gleich der,welche den Kern zu ihr gab. Wir glauben bestimmt an eine Tra-dition, an einen Zusammenhang aller Zeiten, an das Sittliche. Sollaber das Gleichnis beweisen, dass, wie die jetzigen Pahnblätterdieselben, die an dem früheren Ring, so auch die jetzige Spracheim Grund dieselbe, so passt es nicht mehr. Eben, weil diePflanze keine Geschichte hat, so keimt sie wieder in unseren Treib-häusern, wie sie vor tausend Jahren in Indien aufgegangen ist.Aber der menschliche Geist offenbart sich in jeder Zeit andersund verlässt eine Form, in die er nie wieder zurückkehrt. Keinheiligeres Princip, sagt Görres in der Mythengeschichte, hat dieGeschichte zu vertheidigen, als jenes von ihrem stetigen Wachs-thum ohne Beschränkung in der schrankenlosen Zeit. Auch ander Religion mögen Tod und Vergänglichkeit ihre Macht wohlüben, wie der Zerstörer Schiwa vieler Gestorbenen BrahmasSchädel trägt, also sind auch viele religiöse Formen vor demEwigen schon zerfallen und ihre Mumien nur noch in der Er-innerung der Geschichte aufbewahrt. Um von unserem Fall zu