42 ^DER HELDEN BUCH VON F. H. VON DER HAGEN.
geber nicht in sorgfältigem Originaltext wie das Nibelungenlied,sondern in einer modernisirten Überarbeitung mitgetheilt. Dawir mit ihm glauben, dass das Leben der alten Dichtungen ausder ursprünglichen Form am besten erkannt werden könne unddass die Forderung an einen reinen Text die erste sei, so dürfenwir es nicht billigen, dass er sie zurückgesetzt und dadurchdiejenigen, welche ein Recht haben, sie zu machen, gezwungen,S34 gleichsam von unten herauf zu dienen. Man hat die alten Sta-tuen, als sie aufgefunden worden, erst aufgestellt, ehe mandaran gedacht, Gipsabdrücke für Akademieen zu nehmen. Wirhaben schon mehrmals erklärt, dass wir eine solche Arbeit ansich für recht halten, wenn sie an dem rechten Ort geschieht,ja für nothwendig, da auf alles, was vorhanden, die Gegenwartmit ihren Tugenden und Mängeln einen begründeten Anspruchhat, den sie auch durch alle Zeiten geltend gemacht. JenesVerständnis der ursprünglichen Form erfordert ein besonderesStudium, darum ist es etwas Abgeschlossenes und wirkt nurlangsam, aber es ist der Kern, aus welchem alles für die Gegen-wart Bearbeitete hervorgehen muss, sonst würde es ohne Ver-stand geschehen und wieder zusammenfallen. Es ist damit, wiemit einem ausgezeichneten Menschen, sein Geist überflügeltseine Zeit und steht einsam auf seinen Höhen, aber lässt sichmild und lieblich in die Nähe herab, weil die Einsamkeit kaltist, wie die Region, wo nichts mehr wächst, und nur in der Mit-theilung und Gemeinschaft die rechte Liebe. So denken wirüber die Zulässigkeit einer Modernisirung, sie soll frisch undunmittelbar lebendig sein, das ist ihr Ziel, wornach um jedenPreis zu streben; wer seiner Zeit etwas geben will, der soll sienicht erst meistern, auf welche bessere Art sie es zu empfangenhabe.
Wenden wir uns zu der hier gelieferten Arbeit, so könnenwir eines ausführlichen Urtheils überhoben sein, es ist genaudieselbe Manier, die der Herausgeber bei der Modernisirungdes Nibelungenlieds befolgt hat, über die wir uns in diesenJahrbüchern hinlänglich geäussert. Wie dort sind mit Con-sequenz und Fleiss die alten Gedichte in eine Sprache über-tragen worden, die weder alt noch neu ist; so gehören sie nach