32 SCHRIFTEN ÜBER DIE NORDISCHE MYTHOLOGIE.
794könne, vor allem, ob sie historisch zu berücksichtigen. Werdies verneint, selbst wenn ihm ein gelehrtes Blatt so sehr bei-gestimmt, dass nach seinem Ausspruch weiter von dem Einflussder alten Sagen auf die nordische Geschichte keine Rede seinkönne, der wird beweisen müssen, dass überhaupt der Mythedas historische Element fehle, welches eben so schwer fallenwird, als wenn man das Physikalische und Göttliche darin ab-leugnen wollte. Dann lässt sich auch der Zusammenhang dernordischen Religion mit der indischen nachweisen, worauf derVerf. hindeutet und welchen Görres gleichfalls gezeigt hat.
Es ist übrig, von dem dritten Werk, Nyerups Übersetzungdes ersten Theils der jüngeren Edda, zu reden, allein wir müsseneine ausführliche Recension davon ablehnen. Das Buch isteigentlich nicht für den gelehrten Gebrauch bestimmt und sollDilettanten bloss die Bequemlichkeit verschaffen, die Werkeneuerer dänischer Dichter, namentlich Ühlenschlägers, die sichauf die alte Mythologie gründen, besser zu verstehen. Und soentschuldigt sich, was wir schon gelegentlich daran ausgesetzt,dass die anderen Theile der Edda ausgelassen sind, und was wirsonst tadeln würden, dass der Verf., wie es sich bei einer sowichtigen Quelle geziemt, wo es auf jeden Ausdruck ankommt,sich nicht genau genug an den Text gehalten, manchmal einenFehler moderner Übersetzer, die gern die Farben erhöhen, biszum Entgegengesetzten vermeidend; wer einen Beweis verlangt,kann den etwas derben, aber ausgezeichneten Mythus vonSuttungs Meth mit dem Resenischen Text vergleichen (S. 119—123,bei Resen Fabel 61. 62). Was indessen doch die Übersetzungdem Gelehrten nothwendig und schätzbar macht, ist der Um-stand, dass sie nach dem berichtigten Text der handschriftlichenBearbeitung des Olavius verfertigt ist. Wir schliessen mit demWunsche, dass dieses Werk nicht länger mehr liegen bleibeund vor allen denjenigen empfohlen werde, welche die vater-ländische Litteratur zu unterstützen gedenken.
W. C. Grimm.