SCHRIFTEN ÜBER DIE NORDISCHE MYTHOLOGIE. 27
die Mythen aufbewahrt und sie, wo es schicklich, einem Bucheinverleibt haben? Seine Bemühungen darum sind aus dem er-wähnten Brief des Arngrim Jonas doch ganz unzweifelhaft, jaschon als Geschichtschreiber, der die Geschichte lebendig be-trachtete und den keine geistlose Kritik beschränkte, musste erauch zu dieser Quelle gehen.
So haben wir den Glauben, dass die drei Theile der Eddaals ein Ganzes zusammengehören und von Snorro herrühren,der überall begegnet und darum schon so leicht nicht dürftehintangesetzt werden, zu vertheidigen gesucht und dargethan,dass die gewiss nicht ohne Mühe aufgesuchten Gründe nichthaltbar sind. Damit haben wir die Untersuchungen der beiden 789Verf. über das Äusserliche der Edda betrachtet und nach unsererWeise geordnet; wir sind schuldig hier zu bemerken, dass wirFleiss mancherlei Art, Belesenheit und aufmerksame Betrachtungbei ihnen gefunden. Wir gelangen nun zu der wichtigstenFrage, wie nämlich die Echtheit der Asalehre könne dargethanwerden. Manche Gegenstände menschlicher Forschungen habendas Schicksal, dass sich der Fleiss zuvörderst nicht grade aufdie Hauptsache wendet, sondern auf mancherlei andere Dinge,die freilich dazu dienen können, sie aufzuklären und zu be-fördern, die aber ihr Gewicht und rechte Bedeutung erst er-halten, wenn jene entschieden ist. Wird dies eifrig getrieben,so häufen sich diese Nebenuntersuchungen an, es werden na-türlich Irrthümer begangen, diese zu widerlegen macht sich einanderer ein besonderes Geschäft, und so findet man sich, wennman die Sache selbst nach ihren Quellen einfach zu betrachtengedenkt, von mancherlei Umgebungen gehindert und gedrängt,die man nicht gradezu abweisen will, weil sich manches Nütz-liche darin findet. An diese Bemerkung, die allgemein ist,wurden wir durch die Untersuchungen, was zur Edda gehöreund wer der Urheber sei, wieder erinnert.
Jene Frage könnte auf doppelte Art beantwortet werden.Erstlich aus inneren Gründen, aus Erforschung und Betrachtungder Quellen selber, ihrer Natur und ihres Geistes; sodann ausäusserlichen, indem man die Quellen vorerst in Zweifel stellteund aus den Zeugnissen anderer ihre Echtheit darzuthun suchte.