SCHRIFTEN ÜBER DIE NORDISCHE MYTHOLOGIE. 25
in dem zweiten nicht namentlich angeführt, doch Bragas Reden;allein, wie wir eben gesehen, ausdrücklich vorausgesetzt undder That nach sehr häufig, denn wie viele Kenningar sind ausder ersten Sammlung genommen; weil Resenius dies schon nach-gewiesen, so brauchen wir keine Beispiele zu geben. Setzenaber die Kenningar nicht Gylfeginning und Bragarädr voraus,warum ist keine Mythe aus diesen als Beweis erzählt? Wassollte Snorro bewogen haben, grade diese zu übergehen? Eswäre noch die Frage, ob die Kenningar nicht ursprünglich mitdem Inhalt der Dämesagen parallel gelaufen sind: jene Be-merkung vor den Mythen in den Kenningar sieht es wenigstensfür nothwendig an, dass die poetischen Umschreibungen stetsdurch eine Mythe beglaubigt werden; ein neuer Beweis für deninneren Zusammenhang beider Theile. 4) Dass die Behandlungs-art in beiden Theilen verschieden, ergibt sich vollkommen ausder Natur der Sache. Für die Mythen selbst, insofern sie einAllgemeingut waren und nicht von einem Dichter gegebenwurden, konnte begreiflich kein Dichter als Gewährsmann ge-787nannt werden. Da in alten Zeiten die Dichter sich nur für denMund ansahen, durch welchen die Poesie sprach, so trat ihrePersönlichkeit fast immer zurück, und das, beiläufig, ist dereinfache Grund, warum sich zu den Liedern der SämundischenEdda keine Verfasser genannt. Für die Kenningar aber, dieeine besondere menschliche Erfindung sind, musste er nach-gewiesen werden; in den frühsten Gedichten werden sich diewenigsten Umschreibungen finden, den Bilderreichthum erzeugterst die zunehmende Kunstcultur wieder. Ebenso, wo derMythus eine besondere eigenthümliche Ausbildung erhalten, wiein Thors und Hrungers Kampf, in Idunas Entführung, da istauch der Bearbeiter, der Thiodolfr von Hvine, genannt. 5) Aufden letzten Grund wird der Verf. selbst kein besonderes Ge-wicht legen. Wer kann behaupten, dass die damalige Zeit eineMythensammlung nicht nöthig gehabt, hundertundfünfzig Jahrenach Einführung des Christenthums, dreissig oder vierzig Jahrespäter aber allerdings? Wenigstens hätte er dann nicht sagendürfen, es sei möglich, dass ein älterer Dichter schon eine solcheBehandlungsart gewählt, um viele Mythen in einen Rahmen zu