Druckschrift 
2 (1882)
Seite
21
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SCHRIFTEN ÜBER DIE NORDISCHE MYTHOLOGIE. 21

der Scharfsinn und die Ansichten des menschlichen Geistesmüssen als unendlich geehrt werden. Eine kritische Unter-suchung wird aber daneben an ihrer Stelle sein, nur dass dieQuelle selbst nicht angerührt werde. In dieser Hinsicht sinddie bisherigen Ausgaben sehr zu tadeln, es ist schon bemerktworden, dass sie nicht vollständig sind. Eesenius hat dieKenningar nur auszugsweise mitgetheilt, und doch sind ebendiese eine ungemein interessante Sammlung, voll wunderbarer,oft herrlicher poetischer Bilder und Namen; von ihrer Wichtig-keit für die Geschichte der Poesie nicht zu reden. Wenn manbedenkt, dass die Mythen und Sagen, auf welche sie hindeuten,allgemein unter dem Volk bekannt waren, so fällt die Dunkel-heit, die man ihnen vorgeworfen, grösstentheils weg, aber ihrepoetische Bedeutsamkeit bleibt.

Es fragt sich, wie alt die Edda sei; soll die Frage eineBedeutung haben, so darf sie nur auf dasjenige bezogen werden,was als das Älteste darin anzuerkennen. Sie wird am bestendurch die weitere, wer der erste Verf. sei, beantwortet werden.Nyerup sagt, dass er aus dem dreizehnten Jahrhundert, sei ge-wiss, aber wer es gewesen, wisse man nicht (S. 178), dochnach der Aussage einer Membrane könne ein Theil der Kenningarvon Snorro Sturleson gesammelt sein (S. 182). Dass dieserjedoch der Verf. von Hattatal sei, darin stimmen beide überein(N. S. 150, M. S. 45); ferner aber beweist Müller, dass von einemTheil der Abhandlungen über Buchstaben und Tropen OlafThordsen, der weisse Scalde (Hvitaskald), der in der erstenHälfte des dreizehnten Jahrhunderts lebte, ein Bruderssohn des 782Snorro Sturleson, der Urheber gewesen (S. 3237), von denKenningar aber unwidersprechlich wiederum Snorro Sturlesonselbst (obgleich er in der zweiten Abtheilung derselben im Worm.Codex selbst wieder citirt wird und andere, die nach ihmlebten, S. 5358); auf die Zeugnisse werden wir gleich her-nach zurückkommen, da sie für uns noch mehr enthalten. Hiernur das eine: ein Bearbeiter der Abhandlung des Olaf Hvita-skald über die Buchstaben gibt den Rath, die Kenningar undHeiti nur so weit zu gebrauchen, als es Snorro erlaubt; nunfindet sich wirklich im ersten Theil der Kenningar eine solcheWarnung für junge Dichter, in neugebildeten Kenningar nicht