SCHRIFTEN ÜBER DIE NORDISCHE MYTHOLOGIE. 19
Cyklus gehöre nicht zur religiösen Mythe, so hat man grössten-teils Kecht; behauptet man aber, er gehöre nicht zur Edda,so ist es falsch, und wir können es darum nicht billigen, dassNyerup in der Übersetzung auch diese Fabeln übergangen. Dassman das System nicht genau befolgte und sie, wie noch andere,an den unrechten Ort, in die Kenningar, stellte, darf man nichtübel nehmen: es ist der Zeit, wo alles noch im Herzen lebendigund der innere Zusammenhang sowohl als Unterschied gefühltwird, eigenthümlich, das äussere Gerüst nicht sehr zu achten;die spätere macht es umgekehrt. Freilich aus kritischen Gründen,wie Ihre glaubt, hat man sie nicht dahin gebracht. Müller ver-wirft gleichfalls Nyerups Einschränkung (S. Q6) und will, dassedda nach Magnäus in Sämunds Leben als weibliche Form vonothr soviel als Poesie bedeute, oder noch wahrscheinlicher nachOlavs handschriftlichem isländischen Wörterbuch soviel alsaedada, Particip von dem ungebräuchlichen Verbum eg aedi, ichunterrichte, mithin Scaldenkunst heisse und damit genau denInhalt des Buchs bezeichne. Darin aber kann Rec. nicht bei-stimmen, dass die Bedeutung von Edda als Ältermutter, un-streitig die ungezwungenste des Worts, für die ganze Sammlungunpassend sei, weil die Dämesagen das Frühere wie das Spätereumfassten, denn an eine solche Unterscheidung ward gewissnicht gedacht, und es scheint sehr einfach, die Anweisung zurDichtkunst bildlich Mutter der Poesie zu nennen, ebenso dieSammlung alter Lieder in Sämunds Edda; vielleicht dachte manauch gar nicht an solche oder irgend eine bildliche Bedeutungund gebrauchte das Wort nur als gleichbedeutend mit Poesieim Allgemeinen, wie es in Schriften des vierzehnten Jahrhundertsvorkommt (S. 67). Da die Edda des Snorro ein Handbuch fürDichter war, und wahrscheinlich ein viel gebrauchtes, so scheint 780es natürlich, dass bald Zusätze dazu gemacht wurden und dasBuch mit seinem Alter immer mehr zunahm. Daher kommt es,dass alle Handschriften abweichen und eine mehr als die andereenthält. Müller hat es gut dargethan, wie in den Kenningarverschiedene Verf. zu unterscheiden sind, die nach einandermüssen gelebt haben (S. 47. 48. 53). Der königl. Codex hatnoch eine spätere Unterscheidung in Kenningar (Umschreibungen)