Druckschrift 
2 (1882)
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

6 AXEL THORDSEN OG SKJON VALBORG ÜDG. AF NYERCP.

Nibelungenlied, auch von der Wolsungasaga wieder abweichend,mit eigenen aber herrlichen Motiven.

Bei so mannigfachem Interesse verdient eine neue Ausgabedieser beiden Sammlungen unsere ganze Aufmerksamkeit. Siekonnte in keine bessern Hände fallen: die Gelehrten, die sichdieser Arbeit unterziehen wollen, sind sämmtlich durch ihreBemühungen für ihre vaterländische Litteratur bekannt, undwir sind berechtigt, etwas Vorzügliches und sorgfältig Bearbeiteteszu erwarten. An Zeit dazu wird es auch nicht fehlen, da dieErscheinung des Buchs von dem Frieden abhängen soll. HerrProf. Nyerup hat als Probe das Lied von Axel und Wald-borg geliefert. Es ist das grösste der ganzen Sammlung (inden Kjempeviser enthält es gerade 200 Strophen) und gehörtunserm Urtheil nach nicht zu den ersten, wiewohl es immervorzüglich bleibt und sehr schöne Stellen hat. Es neigt sichin der Darstellung zu der späteren Manier, die ausführlicher ist,und hat etwas von dem Charakter mehr historischer Meldung,wie es auch durch sein verschlungenes Silbenmass von denandern abweicht und fast das einzige ist. Veranlassung diesesauszuwählen war dem Verf. das neue Öhlenschlägerische Drama,welches auf dieses Lied gebaut ist; vielleicht auch die Möglich-keit, so viele interessante Volkssagen über das sogenannteHistorische der Erzählung zu sammeln, welches bei anderenschwerer fallen dürfte. Die Volksmelodie ist hinzugegeben,auch Wort- und Sacherklärung. Durch die Betrachtung dieserProbearbeit sind wir zu folgenden Wünschen veranlasst worden.375 Erstlich: das Lied hat in den Kjempeviser 200 Verse, hier

sind nur 175 mitgetheilt, also gerade 25 ausgelassen. Der Verf.sagt deshalb, es sei doch lang genug: das ist wahr, es ist lang,allein bei der Poesie erkennen wir keinen Überdruss, der ausdem Allzulangen entsteht, und ausserdem, wer ihn bei 200 Strophenempfindet, wird damit nicht bis zur 175sten warten, also wärefür einen solchen nichts gewonnen; andere aber, die von demÜberdruss nichts wissen, hätten verloren. Betrachten wir diefehlenden Strophen, so müssen wir es zwar bei mehreren, weilsie unnöthige Wiederholungen enthielten, recht sein lassen, dasssie übergangen sind. Wir bemerken aber gleich, dass wir nur