4 AXEL THORDSEN OG SKJÖN VALBOKG UDG. AF KYERÜP.
der Poesie, dass sie mehr als andere Künste der Mittel ent-behren kann und eine grosse Empfindung in unbeholfenenWorten sich rührender und mächtiger ausspricht, als die be-redteste Kunst. Sagen aus den frühsten Zeiten, die sonst dieScalden besangen und die als grössere Gedichte nur aus denHandschriften bekannt sind, leben hier in einzelnen Liedernfort, in denen die erhabene Wildheit jener Jahrhunderte nochkenntlich ist und deren Entstehung weit in die heidnische Zeitzurückgeführt werden darf. Diese Heldenlieder machen einenTheil der Sammlung aus; den andern und grössern: Balladenund Märchen, die später und in der christlichen Zeit ent-standen sind. Es ist verwunderungswürdig, wie sich alle, auchdie heimlichsten Neigungen und Richtungen des Lebens, allerSchmerz und alle Freude, die es einmal berührt, darin offen-bart haben, und wie wir uns davon betroffen und gerührt fühlen,weil es die innere Lust war, die sich aufthat, diese eigentlicheMorgensonne der Poesie, vor der ihre Blüthen sich öffnen.Während sie alle in einer gewissen Nationalähnlichkeit überein-stimmen, in einem geheimnisreichen Wesen, das dunkel undstill ist gegen den Glanz manches südlichen Liedes, doch vollverschlossener Glut, die desto gewaltiger ausbricht, und womitsie den Himmel anerkennen, unter welchem sie aufgewachsensind, so zeigt sich wiederum die grösste Mannigfaltigkeit inihnen. Die tiefste Trauer, das höchste Leiden, wie das Glückder Liebe, des Muthes, der Humor bis zum leichtfertigen Scherzist darin besungen. Wie rührend ist in vielen Liedern dasUnglück der Liebe erzählt. Wie der Held hingeht, in silbernemSchuh Wasser zu holen für seine Geliebte, und ihm die Nachti-gallen am Brunnen wahrsagen, er werde sie todt finden mitzwei Kindern in ihrem Schooss, und wie er, nachdem er alle373drei begraben, glaubt, die Kinder unter der Erde weinen zuhören, und sich das Schwert ins Herz sticht; oder wie er denTod aus der Liebsten Mund empfangen muss, da sie seinenNamen nennt im Kampf und ihm ruft ihres jüngsten Bruderszu schonen; denn alsbald wird er todwund geschlagen. Auchvon der Gewalt nächtlich tanzender Elfen wird erzählt, die denhalb träumenden Jüngling in ihre Keinen locken wollen, oder