2 AXEL THORDSEN OG SKJON VALBORG UDG. AF NYERUP.
In der früheren Zeit darf sie als ein Theil der einen nordischen370betrachtet werden, die allen dreien Reichen gemeinschaftlichwar und die wir reich nennen müssen, da in mannigfaltigenLiedern, Sagen, selbst in einem grossen Geschichtbuch, in derHeimskringla (gegen welche wir Deutsche nichts aufzuweisenhaben), das Leben des ganzen Volks sich tief, wahr, oft herr-lich ausgesprochen: späterhin, etwa mit dem Ende des fünf-zehnten Jahrhunderts, wo auch wir unsere neue Zeit anfangen,zeigt sich die Trennung auch in ihr, und es erscheint abgesonderteine eigene dänische Litteratur, aber in einer unbeschreiblichenLeere und Unfruchtbarkeit. Ein Zeitraum von beinahe vier-hundert Jahren, der also noch gar nicht lang geendigt hat, weiss,fast unglaublich, keinen einzigen Dichter von Belang zu nennen.Der erste namhafte Poet ist Peter Laale, der in der zweitenHälfte des fünfzehnten Jahrhunderts lebte, von dem eine Samm-lung Sprüchwörter existirt, die ihr Verdienst haben, das ihmaber nicht zugehört; der folgende ist der Bruder Niels vonSoröe, der eine Reimchronik geschrieben: von dieser Art sinddie meisten folgenden Dichtungen, zuweilen Übersetzungen ausdem Deutschen, nirgends aber ist darin ein lebendiges Regen.Jede Litteratur hat eine solche Periode des Stillstandes nachihrem ersten lebendigsten Aufblühen, eine Ermüdung nach einergrossen That, welche die erste unbewusste Jugendkraft voll-bracht hat: wo sie gleichsam ruht, um nachzusinnen, worauf siebauen dürfe, wie sie mit Bewusstsein fortlebe und sich feststelle.Man kann auch sagen, es sei das Erkennen der Sünde, derLeere, da die Unschuld der ersten Dichtung die ganze Weltentzündet glaubt und von keiner Unpoesie weiss. In Deutsch-land hat diese Zeit auch nicht gefehlt, allein an den Stützen,die ein allseitiges Streben, die Bekanntschaft mit den Altennamentlich, die sich in Hans Sachs so trefflich wirkend zeigt,darbot, hat sie sich stets wieder aufgerichtet: in so manchemschönen Lied der schlesischen Periode z. B. hat die Kenntnisder italienischen und spanischen Dichtung (wie wir sie beiOpitz und Harsdörfer finden) Früchte getragen. Eben diesem371 auf einander sich folgenden Erkennen des Einzelnen, das sichimmer zwar als etwas Lebendiges, aber nicht als zureichend aus-