SEGEN DES VATERS UND DER MUTTER. 585
las Haus von beiden Seiten, vereinigte sich unten und strecktesich bis zu dem Bach, der von dem Berge über Granitblöckekrystallklar vorbeisprang. Auf der einen Seite standen Obst-bäume, und ein Wallnussbaum breitete seine Äste über dieLandstrasse, an der das Haus lag. Auf der anderen Seite war einKüchengarten. Nie habe ich einen solchen gesehen: er war inguter Ordnung, d. h. wohlgehalten, aber zugleich in grössterUnordnung. Alles stand da dicht gedrängt untereinander:Bohnen, Erbsen, Rüben, Grünkraut, russisches Korn, Salat,Gurken, Zwiebeln, ich kann nicht alles nennen. Nur ein Pfadin der Mitte und zwei Lauben an beiden Seiten, eine von Baum-rinden, die andere von spanischem Flieder. Stachelbeersträucherverengten noch den schmalen Pfad, und wo ausserdem einPlätzchen übrig war, standen Blumen aller Art, hochstämmigeRosenbäume, Levkojen, Lilien bis zu den Orangen-, Lorbeer-und Myrthenbäumen, Stiefmütterchen, die jetzt in Gunst stehen,von allen Farben. „Da ist auch ein seltenes, fast ganz schwarzes,"sagte er, „das ich erst aus der Stadt erhalten habe." Der Gartensah aus, wie auf dem Jahrmarkt eine grosse Krämerbude, woalles nebeneinander aufgestellt ist, um viele Käufer herbeizu-locken.
Der Mann war allzeit freundlich, grüsste und erzählte gerne.„Das treibe ich nun seit langen Jahren. Das Haus habe ichmeiner Tochter und ihrem Manne gegeben und nur oben einStübchen für mich behalten; die Enkel pflegen mich, wie maneinen alten Mann pflegen muss. Was in dem Garten steht,verkaufe ich alles; die Leute wissen, was ich habe, und dasssie auch für wenig Geld etwas bekommen, Salat und Kraut fürein Paar Pfennige. Wenn eine Hochzeit gefeiert wird odereine Kindtaufe, so holen sie die Blumen bei mir. Ich binsparsam und brauche wenig; mit der Zeit kommt etwas zu-sammen, und was ich erübrige, das thue ich in ein leinen Säck-chen. Nach meinem Tode werden es die Kinder in meinerLade finden, und ich freue mich schon jetzt darüber, dass esihnen einmal, wenn harte Zeiten kommen, aus der Noth helfenwird."
. Auf derselben Landstrasse etwas weiter hinauf stand eine