Druckschrift 
1 (1881)
Seite
581
Einzelbild herunterladen
 

KARLS DES GROSSEN HEIMKEHR AUS UNG-ERLAND. 581

gieng, sah ich ihn sitzen, da ward mir angst." Der Domherrsprach:Was redest du für Dinge, damit kommst du schlechtbei uns an, die Wahrheit will ich wissen."Glaubt ihr mirnicht", antwortete der Messner,so ist mirs leid, geht und sehtselbst alles an." Da gieng der Domherr und nahm ein Lichtin die Hand und gieng unverzagt zum Königsstuhl, und als erdabei kam, sah er selbst den greisen Mann darauf sitzen. Daeilte er zum Bischof und sprach:Wollt ihr hören, wie unsim Dom geschehen ist?" Der Bischof hörte seine Worte undgieng aus seinem Gemach hin in den Dom. Zwei Knechteleuchteten mit grossen Kerzen. Da sass der König auf demStuhl mit dem blossen Schwert über den Knieen. Als der Bischofmit seinen Mannen ihn erblickte, erschrack er in Furcht.Ihrsollt mich wissen lassen", redete er den König an,wer euchLeids gethan, oder was für ein Mann ihr seid, fürwahr, dassollt ihr mir sagen! Seid ihr nicht geheuer? redet! ich beschwöreeuch bei Gott! gebt mir Antwort, es ist Zeit!" Da sprach derKönig:Ich war euch wohl bekannt, damals, als ich KönigKarl hiess und an Gewalt keiner über mir war." Nun tratder König zu ihm hin, und der Bischof, als er ihn recht ansah,sprach:Seid willkommen, lieber Herr! Eurer Kunft will ichfroh sein!" Lieblich näherte er sich ihm, umfieng ihn mit seinenArmen und führte ihn in sein Haus.Läutet", sprach der Bischofzu seinen Dienern,läutet die Glocken aller Orten." Da warein grosser Schall, doch wusste noch niemand, weder die Fremdennoch Einheimischen, was es zu bedeuten habe; sie fragten:Wasgeschehen sei?" Es ward ihnen geantwortet:König Karl, derMächtige, ist zurückgekommen in die Stadt." Da eilten siefort über Berg und Thal, und wer nicht reiten konnte, wolltedoch nicht bleiben und sprang die Mauer hinab. Es gab grossenLärm durch die Stadt, wie sie also entronnen. Der Bischofaber bat den König Karl, dass er der Königin seine Huld wiedergebe, und er gewährte ihm die Bitte und war ihr hold.