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das völlig Abgetrocknete dringt kein neues Leben; wen aberdie Erforschung der alten Sprache nicht dazu berechtigt, derthut klug, sich an das zu halten, was die Gegenwart bietet.Glaubt sich doch jeder befugt, auch die Orthographie zu meistern,die, wie verderbt sie ist, doch nur durch Einsicht in das ge-schichtliche Verhältnis der einzelnen Laute allmählich kann ge-reinigt werden. Zu diesem kecken Vordrängen macht die Furcht-samkeit einen seltsamen Gegensatz, mit welcher man sich scheut,die grossen Buchstaben aufzugeben (es ist das Natürlichste vonder Welt und geschichtlich wohlbegründet): man erschrickt da-vor wie vor einer Umwälzung der bestehenden Ordnung.
Ein Redner vor mir hat mit Recht behauptet, die Wissen-schaft suche nicht sich selbst allein, sie sei vorhanden, um denGeist des ganzen Volks (ich begreife alle Stände darunter) zuerheben und auf seinem Wege zu fördern. Möge daher dasWörterbuch nicht bloss die Forschung begünstigen, sondernauch im Stande sein, das Gefühl für das Leben der Sprache zuerfrischen. Luther hat gesagt, die Sprache sei die Scheide, inwelcher der Stahl des Gedankens stecke: die Scheide ist schlot-terig geworden, Nebel und Dünste setzen sich mit Rostfleckenauf den Glanz. Jede gesunde Sprache ist bildlich, auch derzarteste Gedanke verlangt einen sichtbaren Leib. In der letztenBildungsstufe hat sich eine überwiegende Neigung zu abstractenAusdrücken gezeigt: nicht zum Vortheil, denn das abstracteWort schliesst sich nicht fest an den Gedanken: es lässt eineLeere dazwischen und läuft Gefahr, inhaltlos zu werden. Mannimmt den Mund voll und sagt wenig, manchmal gar nichts.Die Knochen erweichen, das Antlitz wird bleich und bleifarbig.Könnte das Wörterbuch dahin wirken, dass die sinnliche Rede,der bildliche Ausdruck (ich meine nicht die von allen Händenabgegriffenen Gleichnisse) selbst auf die Gefahr, derb oder eckigzu erscheinen, wieder in ihr Recht gesetzt werde! — „Damitder Bezug übersinnlicher Anschauungen auf die Wirklichkeitsichtbarer Wesenheiten vergegenwärtigt werde," würden jenehinzusetzen, die sich darin gefallen, den Kern der Sprache zuverflüchtigen, die nur grau in grau malen wollen.
Ich will noch eine Saite anschlagen. Wir geben uns der