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1 (1881)
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514 REDEN.

die nicht in die Gewalt des Einzelnen gegeben ist, wiederumaber, der Geist ist es allein, der das Wort erfüllt und der Formerst Geltung verschafft; es giebt ebensowenig ein buchstäb-liches Verständnis, als der Geist ohne das Wort sein Dasein kundzu thun vermag. Wie wäre die Erscheinung sonst zu erklären,dass einzelne Wörter in dem Fortschritt der Zeit ihre Bedeu-tung nicht bloss erweitert oder eingeengt, sondern ganz auf-gegeben haben und zu der entgegengesetzten übergegangen sind?Es würde ungeschickt sein, wenn ich hier von der innernEinrichtung des Wörterbuchs oder von der Weise reden wollte,mit der wir den kaum zu überschauenden Stoff zu bewältigengedenken; man darf auf glücklichen Takt bei der Ausarbeitungeines solchen Werks, das mehr als eine Schwierigkeit zu be-siegen hat, zwar hoffen, doch ihn nicht vorausverkündigen. Aberglauben Sie nicht, das Wörterbuch werde, weil es sich der ge-schichtlichen Umwandlung der Sprache unterwirft, deshalb auchlässig oder nachsichtig sich erweisen. Es wird tadeln, was sichunberechtigt eingedrängt hat, selbst wenn es muss geduldet wer-den; geduldet, weil in jeder Sprache einzelne Zweige verwachsenund verkrüppelt sind, die sich nicht mehr gerad ziehen lassen.Eben weil es die Freiheit nicht allein, sondern auch die Noth-wendigkeit anerkennt und das Gesetz will, aber nur-das aus derNatur hervorgegangene, so wird es gegen eine andere Richtungkämpfen, die zwar früher hier und da zum Vorschein gekommenist, aber erst in der letzten Zeit auf eine unerträgliche Weisesich breit gemacht hat. Ich meine zunächst die Anmassung,mit welcher einzelne sich berechtigt glauben, die Sprache zubessern und nach ihrem Verstand einzurichten. Kleine Geisterhaben es gewagt, das Messer zu ergreifen und in das frischeFleisch einzuschneiden. Ich will nur das traurige Andenken anWolke und Radlof erneuern, die mit Eifer und Fleiss, aber mitbeispiellosem Unverstand die natürliche Gestalt der Sprache zer-stören wollten. Noch immer spuken sie fort, zwar minder ge-waltsam, aber desto gefährlicher; man lebt in dem Wahn, einjeder dürfe, wie es ihn gelüste, mit der Sprache umspringen undihr seine geistlosen Einfälle aufdrängen, sobald sie etwa logischenSchein haben oder sich irgend eine Analogie dafür anführen