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1 (1881)
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512 REDEN.

was zulässig und was auszustossen ist, sie reinigt sich selbst,erfrischt sich und zieht Nahrung aus dem Boden, in dem siewurzelt. Hier wirken die vielfachen Mundarten, welche der Redeeine so reiche Mannigfaltigkeit gewähren, auf das Wohlthätigste.Jede hat ihre eigenthümlichen Vorzüge: wie munter und scherz-haft drückt sich der Süddeutsche aus! Geht der grösste Reiz vonHebels alemannischen Gedichten nicht verloren, wenn man siein das vornehmere Hochdeutsch übersetzt? Zwischen den Kehl-lauten des Schweizers dringt das Naive seiner Worte um solebhafter hervor; welche vertrauliche Redseligkeit und anmuthigeUmständlichkeit herrscht in der Sprache der Niedersachsen! Ichberühre nur die auffallendsten Gegensätze, denn unter einanderwürden diese Stämme oft sich gar nicht verstehen, während da-zwischen liegende Mischungen und Abstufungen sie wieder ver-binden. Unsere Schriftsprache schwebt über dieser Mannigfal-tigkeit, sie zieht Nahrung aus den Mundarten und wirkt, wennauch langsam, wieder auf sie zurück. Dieses Verhältnis ist alt,ein hochdeutscher Dichter des dreizehnten Jahrhunderts wünschtschon, dass sein Gedicht von der Donau bis Bremen gelesenwerde; die Schriftsprache ist also das Gemeinsame, das alleStämme verbindet, und giebt den höheren Klang an zu derSprache des täglichen Verkehrs. Weil die scharfe Sonderung,wie sie das Gesetzbuch der französischen Akademie fordert,nicht besteht, so pflegen unsere Schriftsteller, und grade die vor-züglichem, die Mundart ihrer Heimat, wenn sie das Bedürfnisdarauf leitet, einzumischen, so hat z. B. Voss häufig Wörter undWendungen des Niederdeutschen hervor gezogen. Niemand ver-argt ihnen das, dringen sie damit nicht immer durch, so ist daskein Verlust. Goethe hat mit dem richtigsten Gefühl, wie derAugenblick drängte, die ihm angeborne Mundart benutzt undmehr daraus in die Höhe gehoben, als irgend ein anderer. Auchseine Aussprache, zumal in vertraulicher Rede, war noch da-nach gefärbt, und als sich jemand beklagte, dass man ihm denAnflug seiner südlichen Mundart in Norddeutschland zum Vor-wurf gemacht habe, hörte ich ihn scherzhaft erwidern:mansoll sich sein Recht nicht nehmen lassen, der Bär brummt nachder Höhle, in der er geboren ist." Und soll man den Vortheil