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1 (1881)
Seite
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BERICHT ÜBER DAS DEUTSCHE WÖRTERBUCH. 511

zeigt sich in letzter Vollendung, niemand kann ihr etwas an-haben, niemand hat etwas mehr von ihr zu fordern, sie legt,wenn sie weiter schreitet, nur reines Gold in ihre Schatzkam-mern. Aber die Rückseite des glänzenden Bildes gewährt einenganz andern Anblick, man kann sagen, einen traurigen. Napoleon,drückte sich vortrefflich aus, scharf, bestimmt, wie es die fran-zösische Sprache vermag, er schlug den Nagel auf den Kopf,das wird ein jeder eingestehen, auch wer ihn so wenig liebtals ich: aber er schrieb erbärmlich. Auf St. Helena fragte erden Vertrauten Las Cases, der seine Mittheilungen auffasste, ober Orthographie verstände, und fügte verächtlich hinzu, das seidas Geschäft derer, die sich zu dieser Arbeit handwerksmässighergäben. In der That, selbst geistig ausgezeichnete Männer,zumeist Schriftstellerinnen, deren sich dort nicht wenige geltendmachen, wissen nicht richtig zu schreiben, sie übergeben dieHandschrift jenen Handlangern, die das Unzulässige streichen,,das Fehlerhafte bessern, die Orthographie berichtigen, kurz dieSprache auf gesetzlichen Fuss bringen. Jetzt erst wird dasBuch gedruckt und die Welt erfährt nichts von dem Zustand,der dahinter besteht und. allein der wahre ist. Diese Einrich-tung hat etwas Bequemes und sorgt für den äussern Anstand,ja man könnte in Versuchung gerathen, der verwahrlosten, hin-gesudelten Sprache, die bei uns oft genug in ihrer Blosse sichzeigt, eine solche polizeiliche Aufsicht zu wünschen. Aber dienatürliche Freiheit, die keine Fesseln duldet, hat sich in Frank-reich gegen jene Allgewalt schon aufgelehnt. Es giebt einePartei, welche die Aussprüche des Wörterbuchs der Akademienicht mehr anerkennt und ihre Sprache nach eigenem Be-lieben bildet, nicht bloss frei, kühn und keck, auch rücksichts-los und gewaltsam; man kokettirt in der Bildung neuer Wörter,wie in dem Gebrauch der bekannten. Dies ist die Gefahr, welchejede Rückwirkung gegen übergrosse Spannung mit sich führt,und es wird noch zweifelhaft sein, was dieses plötzliche Um-stürzen der alten Grenzpfähle herbeiführt, grössern Vortheil odergrössern Nachtheil. So steht es nicht bei uns, und ich glaube,wir dürfen sagen zu unserm Glück. Unsere Schriftsprache kenntkeine Gesetzgebung, keine richterliche Entscheidung über das,