ÜBER DIE ELFEN. 451
Schönheit zu denken. Diese Vorstellung übertrug man auf diechristlichen Geisterwesen. Es verdiente wohl genauere Unter-suchungen, wann und wo in Gemälden und Bildwerken zuerstsolche kleine Engel angebracht worden sind, so wie, wann sichdie Sprache der Verkleinerung Engelein zu bedienen anfieng. Et-wan im zwölften oder dreizehnten Jahrhundert muss es begonnenhaben. Bei Otfried und andern deutschen Schriftstellern desneunten, zehnten Jahrhunderts sind die Engel stets erwachseneJünglinge und werden Gottes Boten genannt. Um 1250 hattesich das geändert. Berthold, ein bairischer Prediger, der 1272starb und sich durch lebendige, das Volk ergreifende Beredsamkeitauszeichnete, sagt in seinem Sermon von den heiligen Engeln (KlingsAusgabe S. 184): ir fehet ivol, daz fi allefamt J'int junclichegemälet, als ein kint, daz da vvnf jär alt ist, fwä manfie malet. Auf die nämliche Bemerkung kommt er auch in andernPredigten zurück (S. 238. 282). Von den Genien der Griechenund Römer scheint nicht die kleine Gestalt der Engel ausgegangen,eher ihre Beflügelung; Flügel giebt den Elfen keine echte Volks-sage. Sollte aber nicht der Zwergsname Euglin im Gedicht vonHürnin Siegfried in Englln zu berichtigen und blosse Übersetzungdes älteren Eiberich sein? Selbst das Egwald im Volksbuch könntegedeutet werden aus Engelwald.
V. KLEIDUNG.1) Der Verschiedenheit in der Kleidung der Elfen nachder Verschiedenheit ihres Ursprungs ist schon vorhin gedachtund nur noch anzumerken, dass auch die serbischen den nor-dischen Elfinnen entsprechenden Vilen weiss gekleidet sind.Eiberich hat glänzende mit Gold und Edelsteinen gezierteKleider an (Str. 104); die Tracht der Unterirdischen ist dunkel-farbig, meist grün oder moosfarbig, in deutschen (No. 48.270) wie in schottischen, wallisischen und shetländischen Sagen.Auf den Färöer und in Dänemark grau (Thiele I, 122. 125),doch zeigen sich auch hier grüngekleidete Elfinnen (Thiele I,109). Geister, die mit den Menschen im Verkehr stehen,tragen buntfarbige und rothe Röckchen (Deutsche S. No. 71.75) oder erhalten sie von jenen geschenkt (No. 37). Merkens-
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